Mit Vlies lässt sich die Gemüsesaison verlängern und Netze schützen die Pflanzen vor Erdflöhen und dem Kohlweißling. Doch womit lassen sich Netze und Vliese über den Beeten aufspannen? Der Markt bietet hierzu verschiedene fertige Sets. Doch einzelne Bögen, passend zu den eigenen Beetabmessungen, findet man kaum. Daher stelle ich dir in diesem Artikel verschiedene Möglichkeiten vor, diese Bögen selbst herzustellen.

Sind Tunnelbögen überhaupt notwendig?

Tatsächlich kann man ein Wintervlies auch direkt auf die Pflanzen legen. Wenn man das Vlies nicht fest verspannt, sondern an den Beeträndern nur lose befestigt, dann wächst es mit den Pflanzen mit. In der Regel haben die Pflanzen genug Kraft, um das VIies anzuheben. Allerdings klappt das nicht immer. Salat bekommt es z.B. überhaupt nicht gut, wenn er flach gedrückt wird, vor allem in einem feuchten Klima. Dann wird er schnell von Pilzen befallen. Auch andere Pflanzen können verletzt werden, wenn ein starker Regen auf das Vlies prasselt. Spätestens ab einer gewissen Größe werden es euch die Pflanzen ohnehin übelnehmen, wenn sie von einem Vlies beschwert werden. Irgendwann braucht ihr also auf jeden Fall Tunnelbögen. Wollt ihr Netze zum Schutz vor Erdflöhen und Co einsetzen, kommt ihr um Bögen auch nicht herum. Denn wenn das Netz nur auf den Pflanzen aufliegt, kann z.B. der Kohlweißling seine Eier direkt durch die Maschen auf den Blättern ablegen.

Bezugsquellen für Vlies und Netze habe ich euch hier zusammengestellt.

Welche Materialien stehen zur Auswahl?

Ich habe bislang mit PVC-Elektro-Stangenrrohren, PE-Wasserrohren, Stahlstangen und -Rollen sowie mit Hasel-/Weidenruten Erfahrungen gesammelt. Die Materialien stelle ich dir hier im einzelnen vor.

Diese Abmessungen sollten die Bögen haben

Für den Einsatz von Tunnelbögen kann ich dir nur empfehlen, deine Beetbreiten zu standardisieren. Nur so kannst du alle Bögen und Vliese/Netze mit einheitlichen Maßen auf jedem Beet einsetzen. Die Länge der Bögen sollte etwa der Breite der Vliese/Netze entsprechen. Das passt, da die Bögen ja noch auf beiden Seiten ein Stück in der Erde versenkt werden. In der Regel solltest du mit einem Standardmaß für fast alle Pflanzen auskommen. Einzige Ausnahme sind Pflanzen wie Rosen- und Palmkohl. Hierfür brauchst du längere Bögen und dementsprechend breite Vlies- und Netzbahnen.

Meine Beete haben alle eine Breite von 75cm. Tunnelbögen, Vlies und Netze haben bei mir dazu die Länge bzw. Breite von 150cm.

Tunnelbögen aus Elektro-Leerrohren

Diese Lösung habe ich zum ersten Mal in den Videos vom Gartengemüsekiosk gesehen. Die beiden arbeiten viel damit. Die Rohre gibt es flexibel auf Rolle sowie starr und gerade. Das Material auf der Rolle könnt ihr nicht gebrauchen, dass ist zu beweglich. Die starren Rohre hingegen lassen sich gut biegen. Es darf nur nicht zu kalt sein, dann brechen sie leicht. Im Winter also lieber mit dem Heißluftföhn etwas erwärmen. Sie lassen sich leider auch nicht gut mit einem Rohrschneider einkürzen. Auch dabei brechen sie leicht. Besser ist es, dafür eine feine Handsäge oder eine Kappsäge zu benutzen.

Die Rohre gibt es in der Regel in 2 Meter Länge. Als Durchmesser reichen 16mm. Die Länge ist für die meisten Einsätze ausreichend. Für Rosenkohlpflanzen z.B. sollten die Rohre etwas länger als 2 Meter sein. In einigen Baumärkten gibt es die Rohre auch in 3 Meter Länge. Der Versand ist nicht rentabel, da hierfür dann schon Speditionskosten anfallen. Du kannst aber auch zwei Rohre ineinanderstecken. Jedes Rohr hat am Ende ein Fitting, mit dem die Rohre verbunden werden können. Zur besserern Haltbarkeit kannst du die Verbindungsstelle mit PVC-Kleber verstärken.

Um lange Rohre vor dem Umkippen am Beet zu sichern, kannst du dünne Metallstangen in die Erde stecken und die Rohre darüberstülpen. Gut eigenen sich dafür z.B. Baustahlstangen.

Das Material ist sehr günstig. Sucht man z.B. bei ebay nach „Elektro Leerrohr M16“ findet man häufig schon Angebote ab 0,30€ pro Meter inkl. Versand.

Vorteile: Sehr günstiger Preis, Länge durch ineinanderstecken anzupassen, kann auch stabil zwei Beetreihen überspannen.
Nachteile: Brechen bzw. knicken leicht, Plastik-Optik.

Tunnelbögen aus Stahl

Stahlbögen sind in den fertigen Sets meist enthalten. Allerdings haben die dann meist nicht die passende Länge. Außerdem sind fertige Sets viel zu klein (z.B. Vliestunnel mit 3 Meter Länge und 40cm Breite). Seltsamerweise findet man einzelne Bögen kaum zu kaufen. Und Stahldraht auf Rolle ist in der Regel zu dünn oder zu beweglich. In den meisten Fällen handelt es sich eher um Spanndraht für Spaliere und Zäune. Für die Tunnelbögen sollte der Stahl mindestens 3, besser aber 4mm Durchmesser haben und recht steif sein. Ich suche noch nach einem geeigneten Material auf Rolle, wodurch man bei größerer Abnahmemenge vielleicht einen günstigeren Preis erziehlen könnte. Bisher aber ohne Erfolg.

Links PE-Wasserrohr, rechts Federstahlstangen.

Das einzige brauchbare Material habe bislang ich bei Gekaho gefunden. Der Händler bietet Federstahlstäbe in 3mm und 4mm Stärke und 170cm Länge an. Die Stäbe müssen auch nicht gekürzt werden, da sie sich einfach tief in die Erde stecken lassen. Bei 75cm Beetbreite reichen 3mm aus. Leider sind die Stäbe sehr teuer, selbst dann, wenn man größere Mengen kauft.

Vorteile: Langlebiges Material, benötigt wenig Lagerfläche, leicht aufzustellen, schlichte Optik.
Nachteile: Sehr teuer (ab 1,70€ pro Stab)

Tunnelbögen aus PE-Wasserrohren

Die schwarzen PE-Rohre als Tunnelbögen habe ich zuerst bei Ralf vom Selbstversorgerkanal gesehen. In amerikanischen Market Gardening Videos sieht man das Material auch, häufig sind die Rohre dann hellblau. Der Vorteil gegenüber den Elektro-Leerrohren ist, dass die PE-Wasserrohre deutlich flexibler sind, aber dennoch steif genug, um stabile Tunnelbögen zu bilden. Ab einer gewissen Höhe (z.B. für Rosenkohl) benötigen die PE-Rohre aber eine Stabilisierung durch Metallstangen. Im Vergleich zu den Elektrorohr-Stangen kommen die PE-Rohre als Rolle. Sie haben daher eine natürliche Krümmung und behalten später den Bogen als Form auch bei. Meiner Meinung nach lassen sie sich daher besser lagern bzw. verstauen. Man kann sie auch einfach z.B. an einen Zaun lehnen. Mir gefällt zudem die Optik besser, da die schwarzen Bögen auf dem Beet nicht so als Kontrast hervortreten. Leider sind sie deutlich teurer als die weißen Elektrorohre. Dafür lassen sie sich einfach mit einem Rohrschneider kappen, ohne dass das Material bricht.

Wenn du nach den Rohren suchst, wirst du häufig auf ebay unter „PE-Wasserrohr“ fündig. Als Durchmesser reichen 20mm. Die Rollen gibt es in 25, 50 und 100 Meter Länge.

Vorteile: Stabil, behält die Form bei, einfach zu schneiden, knicken oder brechen nicht, können mehrere Beetreihen überspannen.
Nachteile: Relativ teuer (ab ca. 0,80€ pro Meter

Tunnelbögen aus Weiden- oder Haselruten

Die mit Abstand schönste Möglichkeit sind Tunnel aus Weiden- oder Haselruten. Wenn du einen Bachlauf mit Kopfweiden oder üppige Haselsträucher hast, stellt das auch eine Möglichkeit dar. Ich habe damit auch schon experimentiert, weil ich damit genug Material für viele Bögen kostenlos zusammenbekommen könnte. Die Handhabung ist natürlich umständlich, weil Seitentriebe gekappt werden müssen, Weide wenn sie frisch ist, wieder austreibt und das Material größtenteils nur eine Saison hält. Der Hauptgrund, warum ich die Ruten nicht mehr verwende ist aber der, dass die Oberfläche der Ruten teilweise recht rau ist und zudem kleine Verwachsungen und die Stummel von Seitentrieben aufweist. All diese Stellen machen es fast unmöglich ein Vlies auf- und abzuziehen ohne es zu beschädigen. Manchmal reicht bereits die Reibung durch Wind und das Vlies scheuert durch.

Fazit

Die Entscheidung für ein Material hängt von verschiedenen Faktoren ab, die teils pragmatisch sind (Kosten, Höhe der Bögen), teils eine subjektive Geschmacksfrage (Optik, Plastik – Ja/Nein). Ich möchte dir auf jeden Fall empfehlen, selbst zu experimentieren und nach Angeboten zu recherchieren. Wie immer lohnt sich die Abnahme größerer Mengen. Wenn ein Anbieter keine solchen Rabatte in seinem Shop ausweist, versuche doch, ihn direkt zu kontaktieren und diesbezüglich nachzufragen. Damit habe ich schon gute Erfahrungen gemacht.