Kann man vom Garten leben? Na klar! Den Beweis dafür liefern zahlreiche Market Gardening Betriebe in der ganzen Welt. In Deutschland ist die Bewegung noch sehr jung. Aber auch hierzulande gibt es bereits erfolgreiche Best Practice Beispiele, die uns zeigen, dass es möglich ist. Besonders für Anfänger und Gründer ist es eine tolle Hilfe, zu sehen, wie es die Anderen machen. Daher werden sich auf diesem Blog in Zukunft immer wieder Gemüsegärtnereien vorstellen und Tipps geben. Heute sind es Sara Knapp und Orfeas Fischer von Weiershofer Gartengemüse.

Über uns

Ein sonniges Hallo zusammen! Wir sind Sara Knapp und Orfeas Fischer und bilden zusammen Weierhöfer Gartengemüse: Eine „Market Gardening“ Gärtnerei in Rheinlandpfalz die Biogemüse biointensiv anbaut und direktvermarktet.

Eckdaten & Fakten

  • 2 Gemüsesaison – Gründung 2018
  • Zwei Vollzeitbeschäftigte (gleichzeitig Inhaber)
  • 1200 m2 Anbaufläche
  • 72 Permanente Beete mit 15 m Länge
  • Arbeit ausschließlich mit Handgeräten
  • 8 Monate Gemüseproduktion von April bis November
  • 120 Gemüseabonnenten die wöchentlich Ihr Gemüse auf dem Feld abholen
  • Belieferung von 2 regionalen Hofläden, Restaurants und Cateringservice
  • 25 verschiedene Gemüsekulturen

Warum Market Gardening als Nachhaltiges Arbeitsmodell?

Wir haben bewusst Market Gardening als ein für uns passendes nachhaltiges Lebensmodell gewählt.
2 Monate Planungsphase – Vorbereiten
8 Monate Arbeitsphase – intensive Anbauen von Biogemüse
2 Monate Regenerationsphase – körperlich und mental
Das Modell ist ohne große Anfangsinvestitionen (geringes Risiko) umsetzbar. Dadurch ist es für junge Berufseinsteiger besonders interessant. Zudem bietet es eine zukunftsfähige Alternative für eine lokale Biogemüse-Produktion.

Unser persönlicher Zugang zum professionellen Gärtnern

Orfeas: Nach meinem Abitur war ich 6 Monate in Australien Wwoofen. Dort lernte ich verschiedene Landwirtschaftszweige kennen und entdeckte für mich die Freude und Begeisterung am Gärtnern. Bei meinem anschließenden Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen lernte ich meine Freundin und Betriebspartnerin Sara kennen. Während einer Studentischen Exkursion in Tschechien, stieß ich auf das Buch von Jean-Martin Fortier – Biogemüse erfolgreich direktvermarkten. Inspiriert davon, besuchte ich für zwei Wochen Jean-Martins Betriebe in Kanada: „La Ferme des Quatres Temps“ und „La Grelinette“. Dort konnte ich sehen: Market Gardening funktioniert wirklich! Zurück in Deutschland habe ich meine Begeisterung in die Tat umgesetzt und einfach Weierhöfer Gartengemüse gegründet.

Sara: Meine ersten Gärtnererfahrungen sammelte ich als Kind im Familiengarten. Seit meiner Teenagerzeit interessierte ich mich für vegane Ernährung und nachhaltigen Lebensstil. Diese Kombi brachte mich zu meinem Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen bei Kassel. Dort lernte ich Orfeas kennen der immer ganz hinten im Hörsaal saß. Nach Abschluss des Bachelors stieg ich Anfang 2019 in den Betrieb meines Freundes Orfeas Weierhöfer Gartengemüse mit Begeisterung mit ein.“

Vorerfahrungen in der Landwirtschaft bzw. Gärtnerei

Orfeas: Berührungspunkte mit der Landwirtschaft lernte ich bei meinem Vater in Griechenland nur am Rande kennen. Er hält dort Ziegen, Schafe und baute Gemüse mit traditionellen Methoden an (Traktor, Pflug, einjährige Beetbrache,…) Für Ihn ist seine Landwirtschaft Freiheit und Verbindung zur Natur. Nur leider sind die von Ihm verwendeten Anbaumethoden überhaupt nicht wirtschaftlich. Ich lernte daraus, dass die Effizienz meiner Arbeit eine wichtige Rolle spielt, um gut davon leben zu können. Ich komme also nicht aus einem klassischen Gemüsebetrieb, was mir den Einstieg in Market Gardening erleichtert.

Sara: Ich bin auf dem Land groß geworden umgeben von landwirtschaftlichen Betrieben, komme jedoch selbst nicht aus einer Landwirtschaftsfamilie.

Wichtige Inspirationen zum Anfangen

Besonders inspiriert hat uns das Buch „The Market Gardener“ von Jean-Martin Fortier (auf Deutsch Biogemüse erfolgreich direktvermarkten), sowie sein Film „The Market Gardener‘s Toolkit“! Das war der Kickstarter für uns! Geholfen haben uns zusätzlich die Youtube Videos von Curtis Stone und Richard Perkins, das Standartbuch „The New Organic Grower“ von Eliot Coleman und natürlich der Besuch der Betriebe von Jean-Martin Fortier in Canada.
Was uns während der Gründungphase von Weierhöfer Gartengemüse bis heute sehr hilft ist der Online Kurs von Jean Martin Fortier: The Market Gardener‘s Masterclass. Hier vermittelt Jean-Martin Fortier detaillierte Schritt für Schritt Anleitungen zum professionellen Anbau von Gemüsekulturen. Über Anbau, Aussaat/Pflanzung, Pflege und Lagerung. Ein echter Schatz ist auch sein Modul über die Anbauplanung.

Auf der Suche nach Land

Wir haben uns in Orfeas Heimatdorf Weierhof in Reinlandpfalz nach freien Flächen umgeschaut. Bei einem benachbarten Biolandwirt haben wir nach einem Spaten gefragt mit welchem wir eine Spatenprobe von einer Wiese machen wollten, die vielleicht interessant für Gemüseanbau gewesen wäre. Daraufhin bot er uns ein kleines Stück auf seiner Wiese (150 m2) zum Experimentieren an. Im darauffolgendem Jahr 2018 wuchs die Fläche auf 500m2 und dieses Jahr sind wir bei 1200m2 Anbaufläche. Es ist sehr hilfreich klein zu starten und langsam größer zu werden!!

Selbständigkeit

Eine Herausforderung am Anfang ist gewesen, Informationen zu sammeln, was es auf Bürokratischer Ebene bedeutetet und braucht selbständig zu sein. Das Beste war hier, sich mit etablierten Gärtnern auszutauschen, die nach einem ähnlichen Modell wirtschaften.

Finanzielle Lage

Für uns stand von Anfang an fest, dass wir mit der Gärtnerei Geld verdienen möchten.
Und dass wir beide unsere volle Arbeitszeit in den Betrieb einsetzen. Damit das auch klappt, braucht man seine gärtnerischen Ideale situationsgerecht anpassen und klare finanzielle Ziele am Anfang der Saison setzen!

Tiere im Garten

Wir beide lieben Tiere!! Doch wollen wir Tiere nicht zum Wirtschaften einsetzen. Wenn wir gefragt werden, wie viel Tiere auf unserer Gärtnerei leben, dann ist unsere Antwort, ca. 1000 Regenwürmern und viele weitere Kleinstlebewesen mehr. Tendenz steigend 😉

Social Media und Weierhöfer Gartengemüse

Social Media spielt für uns eine sehr wichtige Rolle. Die verschiedenen Plattformen bieten eine wunderbare Möglichkeit für uns Gärtner, Erfahrungen auszutauschen und Einblicke in andere Gärtnereien auf kürzestem Weg zu erhalten. Zusätzlich verwenden wir die Kanäle auch als Dokumentationsinstrumente für den Betrieb. Außerdem sind sie in unserer Zeit wichtig um direkte Kunden und dritte an unserer Betriebsentwicklung teilhaben zu lassen und auf mögliche Fragen antworten zu können.
Deswegen ist Weierhöfer Gartengemüse auch auf Instagram, Facebook und Youtube (unter Orfeas Fischer) vertreten.

Erfahrungen des Ersten Jahres

Die ersten zwei bzw. drei Jahre sind kein Zuckerschlecken. Hier heißt es die Infrastruktur des Gartens aufbauen (Design von Tunneln, Wasserleitungen, kurze Wege etc.), Kunden werben (Flyer erstellen, Branding, Zeitungsartikel) Gärtnerische Erfahrungen sammeln und kreativ mit unvorhergesehenen Herausforderungen umgehen.
Unsere Erfahrung: Es ist erstaunlich wie viele Leute aus dem Umfeld Hilfe anbieten, wenn man sich einmal getraut hat zu starten!
Zudem haben wir im ersten Jahr die Beete erst im Frühjahr der Saison vorbereitet. Das haben wir im zweiten Jahr anders gemacht und die neuen Beete im Herbst schon vorbereitet. Dadurch war der Saisonstart im Frühjahr wesentlich entspannter und wir konnten einen Monat früher mit unserer Gemüsesaison starten.

Highlight

Donnerstag ist jede Woche während der Saison ein Highlight für den Betrieb. Da wird das frisch geerntete Gemüse von 120 dankbaren Menschen und Familien auf dem Feld persönlich abgeholt. Und jedes Mal liegt eine schöne gemeinschaftliche Stimmung und Feierlichkeit in der Luft.

Wichtige Anfangsinvestitionen

Drei Tipps zu diesem Punkt:

  1. Boden: Besorge dir ausreichend und viel Kompost in guter Qualität (Beikrautfrei) um deinen Boden aufzubauen und die Grundlage für gesunde Pflanzen zu schaffen.
  2. Mensch: Investiere in dein Gärtnerwissen! Rede mit anderen erfahrenen Gärtnern, lese Bücher, mache Online Kurse um dich weiterzubilden und profitiere von jahrelangen Erfahrungen anderer.
  3. Werkzeuge: Schaffe dir die richtigen Werkzeuge an. Wenn du weißt, dass du zukünftig Gärtnern möchtest, spare nicht an wichtigen Geräten, die dir im Laufe der Saison unzählige Arbeitsstunden ersparen.

Ein Tipp für Anfänger, die mit Gemüseanbau auf kleiner Fläche leben wollen: Macht ein mindestens zweiwöchiges Intensivpraktikum bei einer Gärtnerei, die richtig gut läuft. Und parallel dazu (Online) Kurse von Erfahrenen Gärtnern, die Ihre Jahrelangen Erfahrungen komprimiert weitergeben.
Unsere Empfehlungen von Experten: Jean-Martin Fortier, Neversink Farm, Ben Hartman.

Wohin geht unsere Reise

Unsere Pläne erstmals für die Zukunft: Den Betrieb auf eigene Flächen umziehen, Arbeitszeiten einsparen durch effizientere Arbeitsabläufe und noch mehr Gemüsevielfalt in den Garten bringen.

YoutubeKanal

Mit unserem Youtube Kanal „Orfeas Fischer“ möchten wir in kurzen Videos Grundkenntnisse des Market Gardening vermitteln. Unser Ziel ist es, Menschen praktische Mittel zur Hand zu geben, Gemüse auf kleiner Fläche anbauen zu können. Und vor allem auch junge Leute zu inspirieren im Gärtnerischen Berufsfeld gefallen und Erfüllung zu finden! Das Drehen der Videos macht uns super viel Spaß, auch wenn es einiges an zusätzlicher Arbeit in der Saison bedeutete. Zudem lernen wir dadurch unser Wissen komprimiert weiterzugeben, was uns in unserer Gartenarbeit auch hilft.

YouTube

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Vielen lieben Dank an Linus für die Einladung hier auf seinem tollen Blog unsere Erfahrungen mit euch zu teilen. Wir hoffen Ihr konntet etwas aus unserem Beitrag mitnehmen und wünschen viel Mut und Freude auf dem Gärtnerischen Weg. Die Beste Zeit mit dem Gärtnern anzufangen ist JETZT!