Der Permakulturhof-Neuland befindet sich im Kreis Borken (Westmünsterland, NRW) Seit 2017 bauen Daniel und Mira Bergforth (beide 27) dort einen Hof im Nebenerwerb auf, den sie extensiv bewirtschaften. Von Hand pflanzen die beiden mit ein paar freiwilligen Helfern Gemüse an, pflegen knapp 500 Obstbäume, halten 125 Hühner aus 15 Rassen und imkern mit vier Bienenvölkern. Drei kleine Minischweine schützen die Hühner vor Fuchs und Mader. In diesem Artikel stellen die beiden sich und ihr Projekt vor:

Die Daten

  • Die reine Gemüseanbaufläche beträgt ca. 3500m². Obstbäume umranden die Ackerfläche sowie den umliegenden Flusslauf der und stehen auf einer ca. 10.000m² grossen Streuobstwiese mit Wildblumen. Im 150m² grossen Gewächshaus wachsen jedes Jahr 450 Tomatenpflanzen aus diversen alten Sorten.
  • Die gesamte Hoffläche beträgt ca. 60.000m², davon große Waldflächen.
  • Wildblumen und wilde Ecken befinden sich an allen möglichen Stellen am Hof, um die natürliche Vielfalt zu bewahren und die Arbeit auf das notwendigste zu reduzieren.
  • Die ca. 3 Hektar Waldfläche versorgen uns zu 100% mit Holz. Der Grossteil des Waldes überlassen wir der Natur und bewirtschaften ihn nicht.

Wie alles began

2014 beschäftigte ich (Daniel) mich intensiv mit dem Thema Ernährung. Nach etlichen Büchern, Beiträgen und Berichten kam ich zu dem Entschluss, dass die besten und schmackhaftesten Nahrungsmittel die sind, die ohne Chemie etc., natürlich und von Hand angebaut werden. Daraufhin folgten ein paar Jahre der Selbstversorgung, bis die Nachfrage der Bekanntschaft, Verwandtschaft usw. so groß wurde, dass ich der Meinung war, es lohne sich, auch im Nebenerwerb weitere Familien und Personen damit zu ernähren.

Daraufhin pachteten wir einige nah zusammenliegende Flächen, die wir durch Glück und Zufall schnell fanden und legten mit viel Arbeit, Zeit und Leidenschaft los, um den Hof zu gründen und in einen Betrieb umzuwandeln. Zur Permakultur haben wir uns aus einer Vielzahl von Gründen entschieden. Nachhaltigkeit, Bewahrung der Artenvielfalt, Gesundheit und das Arbeiten mit der Natur, statt gegen sie, sind nur einige davon.

Unsere Direktvermarktung

Die Produkte vermarkten wir direkt an Laufkundschaft, in Abo-Gemüsekisten (SoLaWi), an zwei Restaurants, einen Naturkostladen und über einen Selbstbedienungsstand, der sich glücklicherweise direkt an einem vielbefahrenen Fahrradweg direkt am Ackerrand befindet.

Lernen mit Liebe und Leidenschaft

Erfahrungen in Sachen Landwirtschaft hatten wir beide keine. Ich (Daniel) bin gelernter Maschinenbautechniker und Mira ist Bürokauffrau. Wir beide waren auf der Suche nach etwas Eigenem, das wir erschaffen können, womit wir arbeiten können und was einen Mehrwert für uns selbst und für die Gesellschaft bedeutet.

Durch Sachbücher, Internetlektüre sowie zahllose Versuche und Rückschläge haben wir uns unser Wissen erarbeitet. Wir möchten jeden ermutigen diesen Schritt zu wagen, denn er ist nicht unmöglich. Mit viel Liebe, Leidenschaft und Herzblut ist alles möglich. Man muss einfach nur für diese eine Sache brennen.

Inspiriert von Sepp Holzer (Permakulturexperte) und Jean-Martin Fortier (Market Gardener) haben wir unseren eigenen MIx aus Permakultur und Gemüseproduktion gefunden und unsere Anbauform, angepasst an die Umgebung, erschaffen.

Social Media

Im Jahr 2018 bekamen wir Besuch von Ralf dem Selbstversorger und drehten unser erstes Video über den Hof. Wegen der starken Dürre kam dabei die Pracht des Hofes leider nicht voll zur Geltung.

Mittlerweile führen wir neben unserer Website auch einen Facebook– und einen Instagram Account. Dort haben wir eine Art Gartentagebuch für alle Interessierten eingerichtet.

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Finanzen und Bürokratie

Bürokratische Hürden hatten wir keine. Natürlich mussten wir den Hof beim Finanzamt anmelden und auch die Landwirtschaftskammer hat uns Fragen gestellt. Aber all diese Gänge verliefen problemlos, ebenso wie die Anmeldung beim Veterinäramt. Zur Unterstützung haben wir uns einen Steuerberater dazugezogen. Denn ohne Steuerberater findet man schnell einen bösen Brief vom Finanzamt im Postkasten, was wir schmerzlich erfahren mussten.

Innerhalb von zwei Jahren haben wir etwa 25.000 Euro in diverse Gerätschaften, Saatgut, Bäume und die Infrastruktur des Hofs investiert. Aus eigener Kraft, nach und nach, ohne Schulden aufzunehmen. Größere Ackergeräte wie einen Traktor leihen wir uns bei Bedarf (für Baumfällarbeiten oder grobe Landschaftsanpassungen) beim Nachbarn. Eine Ackerfräse leihen wir uns ebenfalls vier- bis fünfmal im Jahr beim naheliegende Händler, um die Ackerflächen für die Aussaat vorzubereiten. Transportarbeiten (wie Gemüseauslieferungen) machen wir mit dem eigenen Bulli.

Durch den Verzicht auf große Geräte halten wir die Fixkosten auf einem Minimum. Durch die Produktion von eigenen Holzwaren können wir auch bei der Errichtung von Unterständen usw. eine Menge Geld sparen. Zwar ist der Arbeitsaufwand durch die viele Handarbeit noch hoch, aber die Kosten rechnen sich dennoch schnell, was den Hof Mitte 2019 in die Phase bringt, die Investitionskosten wieder reinzuholen. Ab Mitte 2020 rechnen wir mit reinem Gewinn, eingerechnet die Arbeitskosten bzw. eines Gehalts und weiterer Investitionen. Bis 2025 wird der Hof soweit sein, dass er uns in Vollzeit beschäftigen könnte.

Bis dahin wollten wir bis zu 1000 Obstbäume gepflanzt haben, 340 Hühner und 10 Bienenvölker halten und die Abläufe in der Gemüseproduktion optimieren.

Mit einem Umsatz von 85.000 Euro (35.000 Euro Gewinn) rechnen wir bereits 2021. Vergleichbare Betriebe liegen zwar mit kleinerer Fläche darüber, aber wir möchten lieber sicher kalkulieren, damit die Beschäftigung nicht in Stress ausartet. Wir streben kein Maximum an Erträgen bzw. Gewinn an, sondern dass der Hof eine Person voll beschäftigen kann und weiter als Ausgleich dient.

Tipps für alle die ähnliches vorhaben:

  1. Niemals, wirklich niemals entmutigen lassen!
  2. Unkraut/Beikraut vor der Blüte entfernen, sonst kommt das Chaos und die Arbeit artet in Stress aus. Spätestens im darauffolgenden Jahr.
  3. Nichts von umliegenden Landwirten schlecht reden lassen oder an der Sache zweifeln. Es gibt viele Neider und Besserwisser, die aber nicht mal wissen, was Permakultur bzw. nachhaltige Landwirtschaft bedeutet.
  4. Permakultur ist immer einzigartig und auf die Umgebung angepasst. Nehmt euch Zeit zum Planen und beschäftigt euch damit, wie man am besten vorgeht, besonders bei der Einteilung der Arbeitszonen.
  5. Man lernt nie aus, auch beim Gärtnern nicht. Das Gärtnerleben wird bestimmt von Rückschlägen, neuen Problemen und vielen Erkenntnissen. Man lernt demütig und geduldig zu werden, übrigens keien schlechten Eigenschaften!
  6. Achtet auf euren Körper. Arbeitsreiche Wochen und Monate können schnell auslaugen und die Motivation trüben. Setzt euch in Ruhe hin, macht nichts und überlegt, ob das was ihr meint, gerade machen zu müssen, wirklich wichtig oder ist es vielleicht garnicht notwendig und regelt sich sogar von selbst?
  7. Fangt langsam an. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Wer langsam, ohne Schulden und Zwänge oder Verträge anfänt, kann sich voll und ganz auf die Sache konzentrieren. Lernt, langsam in Richtung Gewinnzone zu wirtschaften und setzt euch nicht unter Druck.
  8. Permakultur funktioniert nicht von heute auf morgen. Alleine deshalb solltet ihr eure Erwartungen in Sachen finanziellem Einkommen zunächst gering halten.
  9. Landwirtschaft in dieser Form macht nicht reich, zumindest wenn man sie von Hand verrichtet. Sie kann zum Leben reichen, das machen viele bereits vor. aber stürzt euch besser nicht voll und ganz rein, also nicht ohne weitere Jobs, sondern lasst es ruhig angehen.
  10. Unkraut vergeht nicht – bezieht das auch auf euch und euer Vorhaben. Wenn ihr euch dazu entschlossen habt, diesen Weg als euren zu betrachten, dann bleibt dran. Der Erfolg lässt manchmal auf sich warten, aber er kommt, wenn man es richtig angeht! Seid einfach ein bisschen mehr wie Unkraut und ihr schaukelt das Pferd 😉

Daniel und Mira Bergforth
Permakulturhof Neuland
www.permahof-neuland.com