Sobald ich etwas mit Gewinnabsicht tue, möchte das Finanzamt das wissen. Schließlich müssen Umsätze versteuert werden. So weit, so klar. Der Gedanke liegt nahe: Ich will mit einem Betrieb Geld verdienen, also muss ich ein Gewerbe anmelden. Das kann richtig sein, muss es aber nicht. Gerade im Bereich der Gärtnerei bzw. Landwirtschaft gibt es eine Vielzahl von Optionen, die unter anderem mit der Anzahl der verantwortlichen Personen, mit dem erwarteten Umsatz, der Art und Herkunft der zu verkaufenden Produkte und mit dem Standort der Verkaufsstätte zusammen hängen.

Ich muss an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich dir in diesem Artikel einen Überblick verschaffen möchte, aber nicht den Besuch des Steuerberaters ersetzen kann. Dieses Feld ist so komplex, dass du auf jeden Fall eine persönliche Beratung brauchst, die deine individuellen Umstände und deine Absichten berücksichtigt.

Betriebsformen

Die häufigste Betriebsform im Bereich der Landwirtschaft ist die des Einzelunternehmers. Der Gründer und Inhaber führt den Betrieb und haftet alleine für ihn. Er kann jedoch auch Mitarbeiter anstellen.

Sollen zwei Personen gleichermaßen verantwortlich sein, dann erfolgt das in einer GbR, einer Gemeinschaft bürgerlichen Rechts. In diesem Fall haften beide für das Unternehmen.

Gewerbe oder Landwirtschaft?

Für die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs muss nicht unbedingt ein Gewerbe angemeldet werden. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab und hat sowohl Vor- als auch Nachteile:

Wenn du beabsichtigst, Erzeugnisse aus eigenem Anbau zu verkaufen (Obst, Gemüse, Honig, Eier, Fleisch usw.), dann bist du Direktvermarkter. Das fällt unter den Begriff der landwirtschaftlichen Urproduktion und erfordert kein Gewerbe. Bzw. dein Gewerbeantrag würde sogar abgewiesen werden. Denn grundsätzlich betreibst du dann Landwirtschaft.

„Grundsätzlich beschreibt der Begriff `Landwirtschaft`eine auf Erwerb ausgerichtete, regelmäßige Nutzung des Bodens zur Gewinnung von Nahrungsmitteln und technischen Rohstoffen pflanzlicher und tierischer Natur.“
(Existenzgründung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Hrsg: Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen)

An dieser Stelle hat selbst mein Steuerberater mir zunächst eine falsche Information gegeben. Er zeigte mir ein Dokument für steuerliche Erfassung von Landwirten, in dem zu lesen war, dass die Nutzung von Flächen unter 3000qm nicht als Landwirtschaft zu betrachten sei. Ich müsse ein Gewerbe anmelden. Also ging ich zum Gewerbeamt. Dort sagte man mir, die Fläche sei völlig unerheblich, sondern eben die Tatsache, dass ich die Fläche mit eindeutiger Gewinnabsicht landwirtschaftlich nutze. Was ist nun also ein landwirtschaftlicher Betrieb?

„Von einem landwirtschaftlichen Betrieb kann man erst dann ausgehen, wenn eine Abgrenzung von einer Freizeitbetätigung klar erkennbar ist. Die Betätigung muss eindeutig auf eine Gewinnabsicht ausgerichtet sein.“
(Existenzgründung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Hrsg: Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen)

Ich denke, die „unter 3000qm“-Regelung verfolgt den Zweck, dass Hobbygärtner, die einen Teil ihres Gemüses oder etwas Honig verkaufen wollen, dafür nicht gleich Landwirte werden müssen, sondern einfach ein Gewerbe anmelden können. Über 3000qm wird es dann schon schwierig zu erklären, dass man das als Hobby betreibt und nur z.B. ein paar Überschüsse verkaufen möchte.

Als Gemüsebauer, Hühnerhalter usw. betreiben wir nun also Landwirtschaft. Trotzdem kann der Verkauf oder auch nur ein Teilbereich des Geschäfts gewerblich werden. Was bedeutet das nun schon wieder?

Die Abgrenzung zwischen Gewerbe und Landwirtschaft

Wir halten fest: Die Direktvermarktung von unverarbeitetem, selbst produziertem Obst, Gemüse, Honig usw. ist landwirtschaftlich, und zwar unabhängig davon:

  • wie viel Umsatz die Direktvermarktung macht
  • ob an Wiederverkäufer oder Endverbraucher verkauft wird
  • wo der Verkauf stattfindet (Hofladen, Marktstand, Lieferung an Kunden)

Was ist nun aber, wenn ich Artikel zukaufe, um mein Sortiment zu erweitern? Oder wenn ich plane, meine Lebensmittel auch zu verarbeiten (z.B. zu Säften, Konfitüren, Eingekochtem)?

Der Zukauf von Waren

Hierzu gibt es seit 2010 vereinfachte steuerliche Regeln. Wenn du dein Sortiment um zugekaufte Waren ergänzt oder erweitest, dann ist das so lange nicht gewerblich, wie der Verkauf weniger als ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmacht bzw. eine Höchstgrenze von 51500 € nicht überschreitet. Sollte eine dieser beiden Grenzen überschritten werden, entsteht ein Gewerbebetrieb Zukaufsware. Es wird also nur die zugekaufte Ware gewerblich, alles andere wird weiterhin landwirtschaftlich versteuert.

Der Verkauf verarbeiteter Lebensmittel

Wenn du Produkte weiterverarbeitest und verkaufst, muss grundsätzlich ein sogenanntes stehendes Gewerbe gem. § 14 Abs. 1 GewO angemeldet werden. Es gibt aber zwei Ausnahmen:

Die Gewerblichkeit betrifft nur Produkte der zweiten Verarbeitungsstufe. Auf Gemüse bezogen fällt zum Beispiel das reinigen, schälen, zerkleinern, einlegen, konservieren und entsaften alles unter die erste Verarbeitungsstufe. Erst Fertiggerichte sind Teil der zweiten Verarbeitungsstufe. Eine Tabelle dazu findest du hier.

Außerdem wird der Verkauf nur dann gewerblich, wenn  der Umfang nicht mehr unerheblich ist, also die Bagatellgrenze überschreitet. Nach Gewerberecht bedeutet das, dass der Verkaufsanteil der verarbeiteten Produkte der zweiten Verarbeitungsstufe 10 % deines Gesamtumsatzes nicht übersteigt. Ist der Anteil darüber, muss ein gewerblicher Nebenbetrieb angemeldet werden. Doch selbst wenn dafür ein Gewerbe angemeldet werden muss, werden die Einkünfte eventuell landwirtschaftlich versteuert. Denn das Steuerrecht unterscheidet sich in einigen Punkten vom Gewerberecht.

„Aus Vereinfachungsgründen zählen Produkte der zweiten Verarbeitungsstufe noch zur Landwirtschaft, wenn der damit erzielte Umsatz nicht mehr als 51.500 € pro Wirtschaftsjahr beträgt (ohne MwSt.). Bei höhren Umsätzen liegen gewerbliche Einnahmen vor.“
(Existenzgründung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Hrsg: Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen)

Man kann also durchaus ein Gewerbe angemeldet haben, aber die Einkünfte trotzdem landwirtschaftlich versteuern. Kompliziert? Oh ja. Deswegen rate ich dir ja auch unbedingt zu einem Steuerberater. Am besten einem Steuerberater, der einen landwirtschaftlichen Schwerpunkt hat.

Einen guten Überblick mit Beispielen findest du in dem Artikel „Die neuen Steuerregeln für Direktvermarkter“ (erschienen in top agrar 5/2010).

Den Betrieb anmelden

Sollte dir nach gründlicher Prüfung klar sein, dass du ein Gewerbe anmelden musst, dann erledigst du das beim Gewerbeamt (in der Regel ist das das Einwohnermeldeamt). Die eigentliche Gewerbeanmeldung ist sehr einfach: Man füllt einen einseitigen Bogen aus und formuliert in etwa einem Satz, was man vor hat. Das Einwohnermeldeamt informiert im Anschluss das Finanzamt. Dieses sendet einem dann den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ zu. Darin wählt man dann z.B. die Betriebsform, schätzt die geplanten Jahresumsätze und vieles mehr. Der Fragebogen ist deutlich umfangreicher als die Gewerbeanmeldung und man sollte ihn unbedingt zusammen mit dem Steuerberater ausfüllen, denn man kann dabei viel falsch machen. Hier kannst du dir den Fragebogen ansehen. Ich würde dir auf jeden Fall empfehlen, das Dokument schon einmal genau anzusehen, bevor du zum Steuerberater gehst.

Wenn du kein Gewerbe anmelden möchtest, musst du dem Finanzamt natürlich dennoch mitteilen, was du vorhast. In dem Fall, füllst du direkt den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus, wählst darin statt Gewerbe dann Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft aus.

Versicherungen, Ämter, Kassen und Kammern

Wenn du einen landwirtschaftlichen Betrieb beim Finanzamt anmeldest, gibt das Amt diese Information weiter. Zum einen landet die Information beim Veterinäramt und Amt für Verbraucherschutz. Du kannst ab sofort damit rechnen, dass dein zuständiger regionaler Sachbearbeiter dich irgendwann besucht, eventuell Proben von deinem Gemüse nimmt und sich z.B. zeigen lässt, wie du dein Gemüse reinigst und lagerst. Ich würde empfehlen, direkt selbst Kontakt mit dem Veterinäramt aufzunehmen und mit deinem Ansprechpartner einen Termin auszumachen.

Zudem besteht eine gesetzliche Pflichtmitgliedschaft für jeden land- und forstwirtschaftlichen Unternehmer in der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (LBG – das ist eine Unfallversicherung). Sollte man eine Fläche kleiner als 0,25 ha bewirtschaften, kann man sich von der Pflichtmitgliedschaft befreien lassen. In jedem Fall muss man sich umgehend dort anmelden, innerhalb einer Woche nach Aufnahme der Tätigkeit, mittels eines Betriebsfragebogens.

Über die Anmeldung bei der LBG (s.o.) wird auch gleich die Pflichtmitgliedschaft in der Landwirtschaftlichen Alterskasse sowie der Landwirtschaftlichen Krankenkasse und Pflegekasse geprüft.

Ab einem gewissen Umsatz werden außerdem Beiträge für die Landwirtschaftskammer fällig. Das prüft und erledigt dankenswerterweise das Finanzamt für dich.

Wegen all dieser Verpflichtungen für Landwirte gibt es meiner Einschätzung nach diese „unter 3000qm-Regelung“ (s.o.), um Hobbygärtner zu schützen. Wer aber seinen Garten mit deutlicher Gewinnabsicht betreibt, kommt da leider nicht drumrum.

Nachteile eines Gewerbes

Wie aus dem oben verlinkten Artikel „Die neuen Steuerregeln für Direktvermarkter“ hervorgeht, möchten Direktvermarkter es gerne vermeiden, ein Gewerbe anzumelden – und sei es nur für einen Teil des Betriebs. Warum ist das so?

Zum einen muss ein Gewerbetreibender Gewerbesteuer abführen. Allerdings erst ab einer bestimmten Einkommenshöhe. Und auch dann kann die Steuer als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Ärgerlicher ist dann schon die Umsatzsteuer. Diese wird erst ab einem jährlichem Gesamtumsatz von 17.500 Euro fällig. Da sollte man mit seinen gewerblichen Einnahmen tunlichst versuchen drunter zu bleiben, denn andernfalls muss man je nach Produkt 7 oder 19% Steuer auf seine Produkte aufschlagen. Wenn man vorrangig an Privatpersonen verkauft, ist das sehr unattraktiv. Denn entweder werden die Produkte teurer oder die Gewinnmarge schrumpft. Verkauft man vor allem z.B. an Restaurants dann ist das nicht so erheblich. Denen ist es nicht so wichtig, ob sie z.B. für eine Salatlieferung 10 Euro ohne Steuer oder 11,90 Euro mit Steuer bezahlen, da sie die bezahlte Steuer wiederum auch absetzen können.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte dir mit dem Artikel einen Überblick verschaffen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man schon bei der Betriebsgründung häufig am verzweifeln ist. Denn die Informationen sind rar, häufig wissen selbst Fachleute nicht richtig Bescheid oder sie können es nicht erklären. Aber es lohnt sich. Bleib am Ball, informiere dich selbst und gib notfalls deinem Steuerberater eine Nachhilfestunde. Und wo immer möglich, suche dir Menschen, die ähnliches vorhaben oder bereits durchziehen, tauscht euch aus und versorgt euch mit Infos aus erster Hand.