Gehen wir davon aus, du möchtest mit dem Verkauf von selbst angebautem Gemüse und/oder Obst Geld verdienen. Diese Idee kommt sicher nicht aus dem Nichts, vielmehr bringst du deine individuelle Sammlung an Erfahrung und Wissen mit. Doch selbst wenn du sogar schon Gemüse verkauft hast und nun dein Geschäft weiter ausbauen möchtest: Wie bei jedem großen Projekt, ist es wichtig, sich zum Start hin Gedanken darüber zu machen wo man steht (IST-Zustand) und wo man hin will (Ziele). Nur so kann man sinnvolle und notwendige Entscheidungen treffen, um die Ziele auch zu erreichen.

Was sind meine Ziele?

Du kannst Ziele nur erreichen, wenn sie dir deutlich bewusst sind. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass ein Ziel zu haben nicht bedeutet, einen idealistischen Traum zu verfolgen. Ein Ziel ist etwas konkretes, dass uns dabei hilft, einen Plan zu entwickeln, um es zu erreichen. Ein Ziel kann auch etwas sehr kleines sein. Zum Beispiel, Strukturen zu schaffen, die es einem ermöglichen, Überschüsse aus dem Garten zu verkaufen. Dann wäre eine Möglichkeit ein kleiner Verkaufsstand auf dem Hof oder an der Straße. Vielleicht mit einer Vertrauenskasse. Noch einmal: Wichtig ist nicht was du vorhast, sondern dass du es möglichst konkret für dich ausformulierst.

Fragen, die dir weiterhelfen können:

  • Möchtest du ein Geschäft aufbauen, von dem du finanziell leben kannst oder willst du es im Nebenerwerb ausführen?
  • Was willst du verkaufen? Soll dein Sortiment nur Obst/Gemüse aus eigenem Anbau umfassen oder willst du auch Produkte zukaufen, um dein Sortiment zu erweitern?
  • Möchtest du ausschließlich pflanzliche oder auch tierische Produkte verkaufen? Oder hast du sogar vor, einen Naturkosthandel zu eröffnen, der neben deinen Lebensmitteln vielleicht auch andere Grundnahrungsmittel, Kräuter, Öle, Hygieneprodukte oder ähnliches vertreibt?
  • Beabsichtigst du auch, Lebensmittel zu produzieren, also dein Gemüse z.B. zu veredeln, indem du es trocknest, fermentierst, einkochst usw.?
  • Wie willst du deine Produkte vermarkten? Wirst du ausschließlich direktvermarkten, z.B. auf dem Wochenmarkt oder in einem Hofladen? Oder planst du, dein Gemüse auch über Wiederverkäufer wie Bioläden oder Supermärkte anzubieten?
  • Oder möchtest du vielleicht einen ganz anderen Weg gehen und z.B. eine Solidarische Landwirtschaft gründen, womit du deine Produkte von Verkaufspreisen entkoppelst und Geld über Mitgliedsbeitrge verdienst.
  • Klar werden solltest du dir auch über deine persönliche Motivation, den Schritt in diese Form der Selbstständigkeit wagen zu wollen. Besonders wenn du einen sehr idealistischen Ansatz verfolgst und mit deiner Tätigkeit die Welt verändern willst, dann ist das gut und motivierend, aber du solltest nicht vergessen, immer auch die Wirtschaftlichkeit zu betrachten.

Du merkst sicher schon: Die Beantwortung dieser Fragen ist elementar. Denn deine Antworten entscheiden über deine zukünfige Betriebsform, deine erforderliche Anbaufläche, deine Räumlichkeiten, dein Budget usw. Willst du z.B. ausschließlich an Restaurants oder auf dem Wochenmarkt verkaufen, dann kannst du dich auf eine kleine Liste profitabler Gemüsesorten konzentrieren, die schnell wachsen, vielleicht mehrmals geerntet werden können und sich zu guten Preisen verkaufen lassen. Hast du aber vor, eine Solawi zu gründen oder Gemüsekisten zu verkaufen, dann erwarten deine Kunden eine gewisse Vielfalt und Abwechslung. Du wirst demnach auch Gemüsesorten anbauen, die für sich betrachtet nicht sehr ertragreich sind, in deinem Sortiment aber erwartet werden. Oder du kaufst diese Produkte zu, solltest das dann aber transparent kommunizieren.

Wie ist meine Ausgangssituation?

Auch hier ist es wichtig genau hinzusehen. Denn eine möglichst realistische Einschätzung des persönlichen IST-Zustands ist unumgäglich, um einzuschätzen zu können, ob die gesetzten Ziele überhaupt zu erreichen sind. Zudem braucht jede erfolgreiche Routenplanung einen Start-Punkt. Es reicht nicht, nur zu wissen, wo ich hinwill, um herauszufinden, wie ich das Ziel erreiche. Stell dir also folgende Fragen:

  • Wie ist mein fachliches Niveau? Kann ich direkt starten? Böden vorbereiten, Aussaatpläne erstellen, Bewässerungen installieren, meine Produkte anbauen und unmittelbar frisch vermarkten? Oder brauchst du noch Zeit, um zu recherchieren und zu probieren? Vielleicht benötigst du noch Praktika, um die komplexen Produktions- und Vermarktungsprozesse kennen zu lernen.
  • Besitzt du bereits Land? Hast du Anbaufläche und Räume für Werzeug, Maschinen, zur Verarbeitung und Lagerung? Oder hast du vielleicht die Möglichkeit, Ackerland oder Gärten zu mieten?
  • Besitzt du bereits Gartenwerkzeuge, Maschinen, Gewächshäuser, Hilfsmittel zur Jungspflanzenanzucht usw.?
  • Hast du dich über die rechtlichen Rahmenbedingungen zu deinem Vorhaben informiert? Die ersten Anlaufstellen sind: Steuerberater, Gewerbeamt, Veterinäramt und bzgl. Anbauflächen eventuell das Amt für Regionalentwicklung.
  • Wenn du Lebensmittel verarbeiten möchtest: Hast du die räumlichen Voraussetzungen, um eine Produktionsstätte nach den Hygieneverordnungen einzurichten?
  • Wie ist das Angebot in deiner Region? Gibt es viele Mitbewerber mit einem vergleichbaren Angebot? Wie ist die Nachfrage?
  • Gibt einen vielversprechenden Wochenmarkt in der Nähe?
  • Wie sind deine Kenntnisse im Bereich Layout und Grafikgestaltung? Kannst du deine Werbemittel, Flyer, Etiketten, Logos, Preislisten, Verpackungen usw. selbst machen oder musst du dafür jemanden beauftragen?
  • Wenn du den Betrieb nebenberuflich führen willst: Wie viel Zeit kannst du realistisch dafür aufwenden, speziell in den arbeitsintensiven Phasen (u.a. Frühjahr)?
  • Unterstützt deine Familie/dein soziales Umfeld dein Vorhaben?
  • Wie hoch ist den finanzielles Budget?

Du wirst dir sicher noch weitere Fragen stellen. Es ist wichtig, dass du das gewissenhaft und ehrlich tust, denn nur so kannst du herausfinden, ob das Erreichen deiner Ziele überhaupt realistisch ist. Vielleicht ergibt sich in diesem Prozess, dass du deine Ziele neu formulierst und deiner individuellen Ausgangssituation und deinen Fähigkeiten anpasst. Hauptsache du verbrennst nicht deine Energie, dein Geld und deine Träume, weil du in der Planungsphase schluderst.

If you fail to plan, you are planning zu fail.

Benjamin Franklin