So langsam juckt es in den Fingern. Ihr kennt das sicher: Man ist mitten in den Planungen für die neue Gartensaison und kann es kaum noch abwarten, die ersten Samen in die Erde  zu geben. Für die meisten Pflanzen ist es allerdings noch viel zu früh, vielleicht mit Ausnahme von Paprika und Chilis. Doch es gibt eine tolle Möglichkeit, um auch jetzt schon Pflanzen groß zu ziehen und sogar frisches Grünzeug zu ernten: Microgreens!

Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen möchte ich klarstellen: Microgreens funktionieren prima auf der hellen Fensterbank. Jedoch ist dieser Platz oft begrenzt oder  die Anzuchtschalen konkurrieren mit Lampen und Deko. Spätestens dann, wenn ihr größere Mengen anbauen wollt, stellt sich die Frage nach Kunstlicht. Und genau darum dreht sich dieser Artikel.

Ich habe in den letzten Jahren viel mit unterschiedlichen Lampen zu Anzucht experimentiert und möchte euch gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen. Natürlich stellt sich grundsätzlich die Frage, ob künstliches Licht und der damit einhergehende Stromverbrauch notwendig sind. Darauf muss jeder für sich selbst eine Antwort finden. Der Vorteil von Kunstlicht liegt darin, dass die Anzucht unter kontrollierten Bedingungen (Licht und Temperatur) stattfinden kann und man durch die Voranzucht früher in die Gartensaison starten kann. Andere Möglichkeiten sind  Früh- und Mistbeete, beheizte Gewächshäuser oder beheizte Anzuchttische im Folientunnel, aber darauf gehe ich an dieser Stelle nicht ein.

Meinen Weg auf der Suche nach den (für mich) perfekten Anzuchtlampen möchte ich hier auch nicht im Details darstellen. Nur so viel: Ich habe mit den Jahren fast alles ausprobiert, was man im Internet findet, wenn man nach Begriffen sucht wie “Anzuchtlampen”, “Grow light” usw.

Die meisten Lampen hatten für mich in der Praxis einen oder mehrere Nachteile:

  • Rot-blaues Licht, das ohne Schutzbrille schädlich für die Augen ist
  • Verhältnismäßig hohe Anschaffungspreise
  • Schwache Leistung gemessen am Preis
  • Wenig Möglichkeiten für effektive Flächennutzung, z.B. die gleichmäßige Ausleuchtung von Regalen
  • Keine Möglichkeit, die Lampen zu verbinden, was zu mehr und mehr Netzsteckern führt
  • Verhältnismäßig hohe Stromkosten

Es hat etwas gedauert, aber ich habe die für mich perfekte Lösung gefunden: Kaltweiße LED-Leuchtstoffröhren in Regalen mit 60cm Tiefe. Die Vorteile und technischen Infos gebe ich euch weiter unten. Ich werdet von mir jedoch keine fachlich fundierte Abhandlung über Farbspektren, Watt, Lumen & Lux bekommen, sondern schlichtweg die Empfehlung für ein System, dass sich in meiner Praxis bewährt hat.

Wichtig: Für keines der verlinkten Produkte erhalte ich eine Bezahlung. Es sind keine Affiliate-Links.

Anzuchtregale

In meinem Anzuchtsetting möchte ich den Platz möglichst effektiv ausnutzen. Wenn Platz für euch kein limitierender Faktor ist, kann eine andere Lösung sinnvoller sein. Ich nutze für Jungpflanzeng sogenannte Quickpotts und für Microgreens meist Quickpott-Untersetzer. Um die Quickpotts in Regalen gleichmäßig ausleichten zu können, habe ich nach Regalen mit 60cm Tiefe gesucht. Einige solcher Regale habe ich mir selbst aus Restholz gebaut, zum Beispiel einen Rahmen aus dicken Kanthölzern und Regalböden aus OSB oder Sperrholz. Hat man keinen Zugang zu günstigem Holz, dann können Schwerlastregale eine gute und preiswerte Option sein. Ich nutze mittlerweile mehrere Chromstahlregale auf Rollen. Diese Regale kann ich zusammenschieben, so dass sie wenig Platz verbrauchen und das Licht optimal ausgenutzt wird. Muss ich an die Quickpots schiebe ich sie einfach auseinander. Der Nachteil dieser Regale: Sie sind sehr teuer.

Auf dem Bild seht ihr zwei der Chromregale und ein Regal, dass ich in einer Keller-Nische gebaut habe. Insgesamt habe ich mit den drei Regalen 11,7 Quadratmeter beleuchtete Fläche auf 1,8 qm Bodenfläche!

Anzuchtlampen

Ich nutze mittlerweile nur noch diese kaltweißen LED-Leuchtstoffröhren. Unabhängig von den technischen Kennzahlen ist das Licht dieser LEDs im Vergleich mit anderen sogenannten Anzuchtlampen bei mir am stärksten. Sprich: Die Pflanzen darunter sind nicht vergeilt und haben sich am kompaktesten und gleichmäßigsten entwickelt.

Vorteile dieser Lampen:

  • Hohe Lichtausbeute
  • Geringer Anschaffungspreis und Stromverbrauch
  • Lampen kommen in den selben Längen, wie Schwerlastregale breit sind (60, 90, 120, 150 cm)
  • Lampen lassen sich miteinander verbinden

Mein Anzuchtsetting

Ich habe eine Reihe verschieden großer Regale, von 120 bis 300 Meter Breite. Die Anzahl der Ebenen habe ich so gewählt, dass der Abstand zwischen Quickpot und Leuchtstoffröhre etwa 30 cm beträgt. Bei den ersten Regalen habe ich pro Ebene zwei Leuchtstoffröhren verwendet. Das hat gut funktioniert. Bei neuen Regalen für die kommende Saison verwende ich 3 Reihen Leuchtstoffröhren, kann aber noch nicht sagen, ob sich daraus ein Vorteil ergibt.

Leuchtstoffröhren anschließen

Die LEDs kommen nicht mit einem Netzteil, sondern nur mit einem T8 Anschlusskabel, dass man selbst mit einem Netzteil oder einer Stromzuleitung verbinden kann. Das kann man machen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass alle Kabelverbindungen spritzwassergeschützt sind. Dafür gibt es spezielle Kabelklemmen. Eine weitere Möglichkeit ist es, direkt T8 Netzteile zu kaufen. Davon braucht man auch nicht viele. Ich habe pro Regal meist alle Leuchtstoffröhren mit T8 Verbindern miteinander verbunden und führe nur ein Netzteil zum Strom.