Ein Folientunnel ist in unserer Klimazone unverzichtbar. Im Frühjahr ermöglicht er eine vorgezogene Ernte, im Sommer bietet er Tomaten, Gurken und Co optimale Bedingungen und im Herbst/Winter kann die Saison damit verlängert werden. Allerdings hat ein Folientunnel seinen Preis. Um die Anfangsinvesitionen der Gärtnerei gering zu halten, bietet sich eine Eigenbaulösung an.

Ich habe dazu sehr viel recherchiert und eine für mich passende Lösung entwickelt. Ich werde euch im folgenden meinen Folientunnel mit allen Arbeitsschritten vorstellen, aber auch Alternativen zeigen. Ich beginne in diesem Artikel mit dem grundsätzlichem Aufbau eines Folientunnels und den Entscheidungen die im Vorfeld zu treffen sind. Danach folgt dann die Anleitung für den Selbstbau.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Aus diesen Elementen besteht ein Folientunnel.
  2. Plastik oder Metall?
  3. Holzrahmen oder Seile zur Befestigung?
  4. Den Tunnel belüften.
  5. Meine DIY-Planung & Anleitung zum Selbstbau.
  6. Materialliste inkl. Kosten.

1. Aus diesen Elementen besteht ein Folientunnel:

Ein Folientunnel benötigt einen Rahmen, auf dem die Folie aufgespannt wird. Dieser Rahmen besteht in der Regel aus halbkreisförmigen Bögen, die durch Längsstreben miteinander verbunden sind. Einige Tunnel haben auch gerade Wände und die Kreisbögen beginnen erst ab einer gewissen Höhe. Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass auch an den Seiten hochwachsende Pflanzen platziert werden können.

2. Plastik oder Metall?

Die Bögen professioneller Folientunnel sind aus Metall, sind fest miteinander verschraubt und durch ein System aus Längs- und Querverstrebungen stabilisiert. Auch viele DIY Tunnel werden mit Stahlrohren umgesetzt. Man findet zahlreiche Videos, in denen auch gezeigt wird, wie man Formen bauen kann, um die Rohre einheitlich und gleichmäßig zu biegen. Die dafür meist verwendeten dünnwandigen Stahlrohre (EMT conduit) sind hierzulande aber nicht in jedem Baumarkt verfügbar, außerdem recht teuer und schwer zu verarbeiten.

Einfacher lassen sich Bögen aus PVC realisieren. Die sind natürlich weniger stabil, wodurch meiner Erfahrung nach eine maximale Tunnelbreite von 3,50 m möglich ist. Diese Breite erhältst du bei einer Bogenlänge von 6 Metern. Die Höhe des Tunnels beträgt dann am höchsten Punkt in der Mitte knapp 2,10 m. Wenn du diese Einschränkung beachtest, erhältst du auch mit PVC-Rohren eine sehr stabile Konstruktion. Der Vorteil des Materials: Leicht erhältlich, einfach zu verarbeiten und günstig.

PVC-Rohre gibt es in 6 Meter Länge (Achtung: Speditionsversand). Aus diesen lässt sich dann direkt der Tunnel aufstellen. Hier seht ihr wie einfach das geht:

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Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, größere Mengen dünnerer Rohre im Baumarkt oder bei ebay zu erwerben, in einer Länge von 2 Metern. Diese werden dann mit Kupplungsstücken verbunden. Durch T- und Kreuzverbinder lässt sich so eine sehr stabile Konstruktion aufbauen. Hier seht ihr wie das dann aussieht:

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3. Holzrahmen oder Seile zur Befestigung?

Die Bögen selbst bieten keine Möglichkeit, um die Folie daran zu befestigen. Sie wird nur darüber gespannt. Für die Fixierung gibt es zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Du errichtest um den Tunnel herum, dort wo die Bögen in der Erde stecken, einen Rahmen aus Holz und tackerst/verschraubst die Folie daran. Nachteil: Du kannst die Folie seitlich nicht mehr anheben, um den Tunnel zu belüften. Dafür kann aber der Wind auch nicht seitlich unter die Folie und diese anheben. Wie genau das geht, könnt ihr auch oben im Video „PVC Greenhouse Step by Step DIY“ sehen.

Möglichkeit 2: Überall dort, wo ein Tunnelbogen in der Erde steckt, platzierst du einen Erdanker. Nachdem die Folie über den Tunnel gezogen wurde, führst du ein Seil jeweils durch einen Erdanker, wirfst es über den Tunnel, führst es dort durch den Anker einen Bogen versetzt und immer so weiter. So entsteht im zick-zack die Befestigung. Weil das Seil die Folie zwischen den Bogensegmenten etwas herunterzieht, entsteht der charakteristische Look, wegen dem die so aufgebauten Tunnel im englischsprachigen Raum „Caterpillar-Tunnel“ (Raupentunnel ) genannt werden. Der Vorteil dieser Variante: Da die Folie am Boden nicht befestigt ist, lässt sie sich einfach zwischen Bogen und Seilen hochziehen und der Tunnel kann so seitlich belüftet werden. Hier ein Video zum Aufbau dieser Variante:

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4. Den Tunnel belüften:

Wie schon oben beschrieben, kann bei der Variante ohne Holzrahmen, die Folie einfach an der Seite angehoben werden. Wird die Folie aber an einem Holzrahmen verschraubt, so fällt die Option weg. Dann bleiben im Grunde nur noch die Türen an den Tunnelenden zu Belüftung. Außerdem kann natürlich mit einem Schattiernetz beschattet werden. Ich habe mich für den Einbau einer Fensterlösung entschieden. Dazu aber mehr weiter unten.

5. Meine DIY-Planung und Anleitung zum Selbstbau:

Ich habe mich zunächst einmal für das Material PVC entschieden. Hinsichtlich Stahl war ich einfach zu unsicher. Ich wollte nicht viel Geld für Stahlrohre ausgeben, um dann festzustellen, dass ich am Ende doch einen falschen Durchmesser oder eine ungeeignete Wandstärke der Rohre ausgesucht hätte. Oder ich wäre am Biegen des Metalls vielleicht verzweifelt. Ausführliche deutschsprachige Anleitungen mit Materiallisten könnten hier sicher Mut machen. Aber solche Anleitungen sind leider noch rar.

So entschied ich mich für PVC-Rohre mit dem Durchmesser 25mm . Diese sind 2 Meter lang und haben an einem Ende eine Muffe. Ich hätte also einfach drei Stück ineinanderstecken können, um einen Bogen von 6 Meter Länge zu erhalten. Ich wollte aber eine möglichst stabile Lösungmit einer Längsverstrebung am First und jeweils einer an jeder Seite. Somit ergaben sich vier Rohrstücke pro Bogen. Ich habe also die Rohre auf 1,50 Meter gekürzt. Das Kürzen mit Kappsäge oder Kreissäge kann ich nicht empfehlen. Selbst mit Absaugung produziert das viele unangenehme Plastikspäne. Ein Rohrschneider ist leider auch nicht geeignet, da die Rohre dabei brechen. Gut bewährt hat sich für mich eine feine Metallsäge.

Jeweils vier Rohrstücke verband ich dann mit Kreuzverbindern zu einem Bogen (Nur den Anfangs- und den Endbogen mit T-Verbindern). Die Verbindungsstellen habe ich zunächst mit PVC-Leim verklebt und dann noch mit 4×3,5 Holzschrauben fixiert (Darauf achten, dass der Schraubenkopf ins Innere des Tunnels zeigt).

Um die Tunnelbögen aufzustellen schlug ich zunächst 50cm lange Baustahlstangen im Abstand von 1 Meter in die Erde (ca. 40cm tief). Baustahlstangen kommen in 2 Meter Länge. Man muss sie dementsprechend kürzen. Die Tunnelbögen steckte ich dann darauf und drückte sie noch etwas in die Erde. Die offenen Enden der Kreuzverbinder konnten jetzt mit 1 Meter langen Rohrstücken verbunden werden. Diese Stellen habe ich dann nicht verleimt, sondern nur noch verschraubt, weil darauf ja weniger Belastung ist. So lässt sich das Gerippe des Tunnels schon komplett aufbauen.

Meinen Tunnel habe ich so geplant, dass er nicht nur möglichst stabil, sondern auch wenig anfällig für Wind sein sollte. Mein Grundstück liegt nämlich an einem erhöhten Punkt in der Landschaft, wo der Wind häufig sehr stark geht. Daher entschied ich mich dazu, die Folie an einem stabilen Holzrahmen zu befestigen. Für den Rahmen habe ich Holzbohlen halbiert, somit kam ich auf Holzmaße von 4 x 10cm. Die Bohlen verschraubte ich in der Länge miteinander . Zum Teil mit Metallverbindern, die ich noch hatte, zum Teil einfach mit dünnen Brettchen. Den Holzrahmen befestigte ich mit Pflöcken in der Erde. Dafür habe ich Kanthölzer mit etwa 40cm Länge an einem Ende spitz zugesägt, am Rahmen in die Erde geschlagen und mit dem Rahmen verschraubt. Die PVC-Rohre wiederum schraubte ich mithilfe von Befestigungsschellen an den Holzrahmen.

Um den Tunnel auch gegen Starkregen und Schneelast zu stabilisieren, stellte ich im Inneren des Tunnels noch Pfosten auf. Vor allem bieten diese aber auch die Möglichkeit, Draht für Tomatenhaken zu spannen. Die PVC-Rohr Konstruktion selbst, würde das Gewicht von so vielen Tomatenpflanzen mit Früchten nicht aushalten. An beide Tunnelenden stellte ich Türrahmen auf, stützte diese mit einer Querstrebe und zurrte sie am oberen Ende durch Kabelbinder am PVC-Rahmen fest. Die Querstrebe habe ich recht tief im lehmigen Erdreich eingegraben.

Aktuell fertige ich noch die Türen und habe eine Lösung für seitliche Fenster gefunden, um den Tunnel besser belüften zu können. Die Doku zu diesem letzten Bauabschnitt ergänze ich in den folgenden Tagen noch.

6. Materialliste inkl. Kosten:

Mein Tunnel ist 15 Meter lang, 3,5 Meter breit und an der höchsten Stelle etwa 2,10 Meter hoch. Bei der Kostenaufstellung habe ich versucht, alles zu berücksichtigen, außer den Pfosten im Innenteil, da diese nicht unbedingt nötig sind. Ich habe sie hauptsächlich gesetzt, um Tomatenschnüre spannen zu können. Die Gesamtkosten des Folientunnels betrugen 357,39 €.

PVC-Grundgerüst:

  • 160 Meter Elektro-Stangenrohre M25. FIndet man gut und günstig z.B. bei ebay. Ein Meter kostet 0,45 cent. 160×0,45 = 72 €.
  • 6 T-Verbinder (2,43 €), 39 Kreuzverbinder (47,19 €)
  • PVC-Kleber 8,75 €

Holzrahmen:

  • 44 Meter Rahmenholz: Dafür 22 Meter Bohlen gekauft, 4×20 cm, 3 Meter Länge. Die Bohlen habe ich in der Mitte jeweils einmal durchgesägt. Ich habe die Bohlen liefern lassen. Der laufende Meter kostete 3 Euro, die Lieferung 30 Euro = 96 Euro. Hier habe ich bestellt.
  • Befestigungsschellen, 50er Pack 12 €

Gewächshausfolie:

  • Man braucht etwa 17 Meter Folie in 6 Meter Breite: 121 €. Hier habe ich bestellt.

Kleinteile:

  • An Schrauben habe ich benutzt, was ich ohne schon hatte. Vor allem Spax 4×35 und 4×70.
  • Um die Folie am Holzrahmen zu befestigen habe ich zunächst Tackerklammern genommen, um grob auszurichten. Dann habe ich Kantholzreste verschraubt und die Folie dazwischen eingeklemmt.
  • Bei der Tür kann man sich austoben. Ich habe eine Tür aus alten Kanthölzern gebaut. Auch eine Schiebetür ist denkbar.

Der Tunnel im Betrieb:

Wenn ihr den Tunnel in der laufenden Saison des Gärtnereibetriebs beobachten wollt, dann schaut doch gelegentlich auf meine Instagram-Seite. Dort gebe ich täglich Updates. Auch der Tunnel wird dort immer wieder zu sehen sein. Und solltet ihr Fragen haben, schreibt mir eine Nachricht oder kontaktiert mich auf Instagram.