Williams 400qm MarketGarden

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Seit einem Jahr folge ich auf Instagram den inspirierenden Gartenstorys von William van den Brink. Der Niederländer versorgt mit seinem nur 400qm kleinen Garten jede Woche über 30 Haushalte mit Gemüse. Seit einer Weile teilen wir unsere Erfahrungen. Und nun freue ich mich riesig, dass William für den Vom-Garten-leben Blog die Geschichte seines Marketgardens „de groenteplaats“ für uns aufgeschrieben hat:

Im Jahr 2011 starteten wir mit einem kleinen Garten hinter dem Haus, in dem wir damals zur Miete wohnten. In dieser Saison experimentierten wir zum ersten Mal damit, Gemüse anzubauen. Wir waren sehr überrascht und erstaunt über die Erfahrungen, die wir sammelten. Seitdem haben wir jedes Jahr im Garten gearbeitet. Ich denke, es war 2015, als ich auf die Videos von Curtis Stone und JM Fortier stieß, über Gemüseanbau und darüber 100.000 Dollar mit weniger als einem halben Hektar Fläche zu verdienen. Das hat mich so sehr interessiert, dass ich mir die Bücher von beiden kaufte. Ich war mittlerweile so begeistert davon selbst Gemüse anzubauen, dass mich diese Inspiration davon träumen ließ, einmal einen eigenen professionellen Garten zu haben.

Doch es wurde August 2016, bis wir uns zum ersten Mal trauten, eine Kiste mit eigenem Gemüse vor unserem Haus aufzustellen. Am Morgen stellten wir die Kiste ab und fuhren an die Arbeit. Am Abend waren wir total aufgeregt, als wir, ich denke es waren knapp 4 Euro, fanden.

So fingen wir an. In diesem Sommer nahmen wir etwa 30 Euro ein. 2017 setzten wir uns selbst das Ziel, 200 Euro zu verdienen. Wir hatten zu dieser Zeit 150m2 Gartenfläche und waren überglücklich, am Ende des Sommers 350 Euro verdient zu haben.

Im Winter 2017 setzte ich das Ziel für den kommenden Sommer auf 2000 Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelte ich den Plan, wöchentlich Salat anzubieten. Ich rechnete mir aus, dass ich etwa 40 Abonnenten brauchen würde. Im Winter las ich das Buch „The Lean Farm“ von Ben Hartman. Er schlägt vor, mit zehn Mitgliedern zu starten, wenn mal als Farmer anfangen möchte. Ich rechnete mir also aus, wieviele Mitglieder ich mit meinen 150m2 versorgen könnte. Ich setzte das Maximum auf 15. So nahm der Plan Gestalt an. Ich ging in die Planung und veröffentlichte einen Flyer in meiner Nachbarschaft. So bekamen wir unsere ersten 14 Abonnenten.

Im Jahr 2018 boten wir ein 15 Wochen-Programm an, mit 20 verschiedenen Gemüsesorten. Die ganze Arbeit fiel auf die Samstage und die Abende unter der Woche, da ich ja auch noch meinen Vollzeitjob hatte. Am Ende der 15 Wochen war ich völlig erschöpft. Nichtsdestotrotz war es eine tolle Erfahrung. Ich habe viel gelernt und es immer sehr genossen, wenn die begeisterten Mitglieder jede Woche ihre Ernteanteile abholten. Und außerdem erreichten wir unser Ziel von 2000 €. Wir waren darüber sehr glücklich. Von dem Geld konnte ich mir den Onlinekurs von JM Fortier kaufen.

Im Winter reflektierten meine Frau und ich die Saison und fanden eine Reihe von Dingen, die wir verbessern konnten. Unter anderem setzten wir eine Regel für 2019: Die gleiche Anzahl Stunden im Garten, aber nicht mehr Samstags. Und im Sommer wollten wir in Urlaub fahren. Das finanzielle Ziel für die Saison 2019 setzten wir auf 5000 €.

Wir konnten eine zusätzliche Gartenfläche bekommen und erweiterten unser Land damit auf insgesamt 400qm. Aufgrund dieser Fläche berechnete ich die Mitglieder, die ich würde versorgen können. Dann gestaltete ich einen Flyer und machte Werbung auf Facebook und Instagram. So erhielten wir 31 Mitglieder. Wir machen nun 21 Wochen und pausieren im Sommer für 3 Wochen. Mit meinem Arbeitgeber konnte ich es so arrangieren, dass ich nur 4 Tage in der Woche arbeite und Freitag frei habe zum Ernten. Die Abholung findet dann immer Freitags von 16.30 bis 18.00 Uhr statt. Ich habe dafür Unterstützung gefunden. Drei vierzehn Jahre alte Kids helfen mir für mehrere Stunden in der Woche. Das gibt mir die Möglichkeit, die anfallenden Arbeiten mit dem Gemüse und den Unkräutern zu bewältigen. Ich selbst bin etwa 20 Stunden in der Woche im Garten, etwa genauso viel wie letztes Jahr. Meinen Vollzeit-Job habe ich immer noch.

Dieses Jahr habe ich 33 Gemüsesorten im Angebot. In der wöchentlichen Gemüsetasche sind drei Haupt-Gemüse wie Kohl, Karotten und Bohnen und zwei ergänzende Gemüsesorten wie Gurke, Salat, Frühlingszwiebeln oder Paprika.

Wir sind mittlerweile in Woche 15 und gehen dem Ende der Saison entgegen. Ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Wir haben es geschafft, weniger Unkraut zu haben, als im letzten Jahr. Meiner Meinung nach ist die Qualität des Gemüses wirklich gut. Manche Gemüse haben nicht so gut geklappt, die ich habe ich dann von einem benachbarten Gärtner gekauft. Das ist passiert, weil ich mit der kompletten Fläche und ohne Ausfälle geplant habe. Aber alles in allem bin ich sehr glücklich. Unser finanzielles Ziel haben wir erreicht! Ich bin nicht mehr so erschöpft wie letztes Jahr und das gibt mir viel mehr Befriedigung und Zufriedenheit. Meine Frau freut sich auch, alles ist gut 😉

Für das nächste Jahr wissen wir noch nicht was wir machen. Meine Frau ist schwanger und wir werden Ende März noch ein Kind bekommen. Ich zweifle also, was ich tun soll. Wahrscheinlich werde ich im nächsten Jahr kein Gemüseabo anbieten, sondern nur einen kleinen Garten mit einem Verkaufsstand am Samstag. Ich möchte 2020 nutzen, um Land zu finden, auf dem wir eine Farm errichten können. Am Besten wäre etwas zwischen einem halben Hektar und einem Hektar. Dann könnte ich alle Vorbereitungen treffen und die Infrastruktur aufbauen, um einen guten Start in die Saison 2021 zu haben. Außerdem können wir etwas Geld für die Farm zurücklegen, wenn ich mehr Stunden bei meinem Arbeitgeber arbeite.

Ich bin mit unserer Reise bis jetzt sehr zufrieden. Ich bin stolz darauf, was wir geschafft haben. Es war eine gute Erfahrung, mit einer kleinen Anzahl an Kunden und einer begrenzten Auswahl an Gemüsesorten zu starten, um zu lernen und uns an die Arbeit und den Stress zu gewöhnen. In diesem Jahr habe ich meiner Meinung nach ein gutes Gleichgewicht zwischen der Gartenarbeit und der Zeit mit meiner Familie gefunden. So ungeduldig wie ich bin, bin ich froh, dass meine Frau immer da war, um alles mit mir gemeinsam durchzudenken, so dass ich alles etwas langsamer angegangen habe.

In den nächsten Jahren werde ich eine Farm aufbauen und hoffe damit die finanziellen Bedürfnisse meiner Familie decken und ein nachhaltiges Lebensmodell schaffen zu können. Ich hoffe sehr, andere junge Farmer und Gärtner mit meiner Geschichte inspirieren und ihnen helfen zu können. Social Media spielt dabei natürlich eine große Rolle. Das Ziel in meinem Kopf ist ein 1000-Mitglieder Gemüseabo. Es könnte sich auch in ein Mahlzeiten-Angebot entwickeln. Denn ich habe immer wieder mitbekommen, dass viele Leute das frische Gemüse haben möchten, aber es zu umständlich finden, das Gemüse jede Woche abzuholen und sie auch nicht jedes Gemüse mögen. Also denke ich über Wege nach, um diesen Leuten den Zugang zu unserem Gemüse zu eröffnen, ohne Stress und Frustration.

Beste Grüße

William

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