Den Boden mulchen – Methoden und Materialien

In der Natur gibt es keine nackte Erde. Ob im Wald oder auf der Wiese: Offene Stellen in der Bodendecke werden umgehend wieder geschlossen, langfristig mit Laub und Pflanzenresten, kurzfristig mit Gräsern und (Un-)Kräutern. Das führt dazu, dass wir unzählige Stunden damit verbringen, unerwünschtes Grünzeug aus den Freiflächen zwischen unseren Gemüsekulturen zu harken. Aber man kann sich den Effekt auch zunutze machen und damit viel Zeit und Mühe sparen.

Ich möchte euch in diesem Artikel einen Überblick geben, sowohl über das Mulchen mit organischen Materialien, als auch über das Abdecken von Böden mit Folien, Vlies und Planen.

Stroh im Gemüsebeet

Mir fiel vor einigen Jahren das Buch „Mein Mulchgarten“ von Magda-Helene Schröder in die Hände. Frau Schröder beschreibt darin, wie sie durch das Mulchen ihrer Beete mit Stroh viel mühsame Gartenarbeit spart und so gesunde, ertragreiche Pflanzen heranzieht, dass Besucher regelmäßig staunend den Kopf schütteln. Ihre „Mulch-total“-Methode ist dabei sehr einfach. Über den Winter bedeckt sie die brach liegenden Beete mit Stroh. Im Frühling schiebt sie das Stroh zur Seite und pflanzt oder sät ein. Im Jahresverlauf füllt sie das Stroh um die Pflanzen herum immer wieder auf.

Die Vorteile des Mulchens

Die Vorteile des Mulchens (Mulch bezeichnet unverrottetes organisches Material) sind zahlreich:

  • Der Boden wird isoliert: im Winter vor Frost geschützt und im Sommer vor Hitze und Austrocknung.
  • Der Boden kann die Feuchtigkeit besser speichern.
  • In Regenzeiten wird der Boden nicht so leicht ausgewaschen und verschlämmt.
  • Unkräuter werden unterdrückt, da kaum Licht bis auf die Erde dringt.
  • Durch die langsame Zersetzung der Mulchschicht werden dem Boden nach und nach Nährstoffe zugeführt und Humus gebildet.

Heu im Salat

Ich war von den Vorteilen der Methode sehr überzeugt und ließ mich auch dadurch nicht abschrecken, dass Frau Schröder in ihrem Buch selbst schreibt, die Optik der Gemüsebeete mit Stroh sei sicher nicht jedermanns Sache. Allerdings gestaltete es sich überraschenderweise als Herausforderung, Stroh in großen Mengen zu erhalten. Schließlich kaufte ich bei einem Landwirt aus unserer Gegend statt Stroh einen Ballen Heu. Die Nachbarn schauten nicht schlecht, als wir diesen riesigen Heuballen in den Garten rollten.

Ich begann gleich fleißig damit, Heu in dicken Schichten zwischen meinen Gemüsepflanzen zu verteilen, Wege zwischen den Beeten und frei liegende Beetflächen damit abzudecken. Und in dem folgenden sehr heißen Sommer konnte ich die Vorteile tastächlich feststellen: Während die Nachbarn jeden Tag Gießkannen schleppten, goß ich nur ein bis zweimal in der Woche. Die Pflanzen entwickelten sich prächtig und auch mit Unkräutern hatte ich wenig Probleme. Wuchsen wilde Pflänzchen durch das Heu, riss ich sie einzeln aus oder legte einfach eine neue Schicht Heu oben auf. Ich war also wirklich überrascht und begeistert. Besonders freute mich der Effekt beim Kopfsalat: Dadurch, dass die äußeren Blätter nicht mehr auf der Erde auflagen, hatte ich viel weniger Probleme mit Pilzbefall.

Jedoch zeigte sich hier auch schon ein erster Nachteil: Wenn ich Salat erntete konnte ich noch so vorsichtig dabei sein, ich hatte immer einzelne Heufäden mit dabei. Und selbst nach dem Waschen und Verlesen landeten nicht nur einmal feine Heufädchen mit auf dem Teller.

Nachteile des Mulchens mit Heu und Stroh

  • Einige Gemüse und Salate lassen sich nicht sauber ernten (siehe oben).
  • Unter Heu und Stroh fühlen sich leider Schnecken auch sehr wohl und man findet sie kaum.
  • Heu und Stroh lassen sich nur sehr schwer gründlich abrechen, wenn man die Beete z.B. nach dem Winter für die Aussaat vorbereiten will. Auch harken oder lockern lassen sich die Beete kaum. Die Mulchschicht ist also eher permanent einzusetzen.
  • Im Vorfrühling wird der Boden zwar vor Frost geschützt, aber die Mulchschicht behindert auch die Erwärmung des Bodens, die zum Keimen von Frühjahrsaussaaten wie z.B. Möhren sehr wichtig ist. Sie eignet sich daher eher für Herbstaussaaten oder im Herbst gesteckte Zwiebeln und Knoblauch.

Andere Materialien zum Mulchen

Ich war also vom Mulchen grundsätzlich überzeugt, aber begann mich zu informieren, welche Materialien ich noch dazu verwenden könnte. Ich suchte vor allem nach etwas feinerem, was sich leichter als Heu und Stroh bearbeiten ließe. Und tatsächlich kann fast jedes organische Material benutzt werden, wobei jedes wiederum seine speziellen Vor- und Nachteile hat:

  • Rindenmulch und Holzhäcksel sind sehr kohlenstoffhaltig, wodurch sie beim Zersetzen dem Boden Stickstoff entziehen. Ich verwende beides daher nur für die Abdeckung von Wegen. Jedoch gibt es auch Gärtner die damit gute Erfahrungen gemacht haben (Filmtipp: Back to Eden).
  • Rindenhumus ist vorkompostierte Baumrinde. Die verwende ich allerdings nicht als Mulch, sondern um den Humusanteil in neu angelegten Beeten zu erhöhen, wenn die Erde sehr lehmig ist.
  • Grasschnitt ergibt eine kaum lichtdurchlässige Schicht, die gut Unkräuter unterdrückt. Allerdings neigt Grasschnitt dadurch auch zum Faulen und sollte daher nicht zu dick und mit etwas kohlenstoffhaltigem trockenen wie Laub oder Heu gemischt werden. Grasschnitt gibt dem Boden beim Verrotten Stickstoff ab und ist somit ein willkommener Dünger, kann aber auch Grassamen enthalten und so langfristig zu mehr Unkraut führen.
  • Laub ist auch sehr kohlenstoffhaltig. Es eignet sich gut, um z.B. Beerensträucher zu mulchen. Ich decke damit auch gerne im Winter einige Beete ab. Bis zum Frühjahr ist das Laub dann fast komplett verrottet oder von den Bodenlebewesen verzehrt. Allerdings hat Laub den Nachteil, im nassen Zustand zusammenzuhaften und zu faulen.
  • Mist hat ein sehr ausgewogenes Nährstoffverhältnis, ist aber frisch zu intensiv. Er sollte daher entweder im Herbst in abgeerntete Beete eingearbeitet oder vorkompostiert werden.
  • Sägespäne eignen sich nicht besonders gut zum Mulchen, da sie sich durch Feuchtigkeit sehr verdichten und nur schwer zersetzen.
  • Reifer Kompost besteht zum einen aus nährstoffreichem Substrat und nicht verrotteten organischen Anteilen (Humus). Ausgereifter Kompost kann nur bedingt als Mulch bezeichnet werden, da man direkt einsäen bzw. planzen kann und auch Unkräuter darin gedeien.

Mulchen mit Kompost im No-Dig Beet

Mittlerweile ist der Ansatz sehr verbreitet, Beete nicht mehr umzugraben, sondern nur tiefgründig zu lockern. Ein wichtiges Element dieser Methode ist die reichliche Gabe von Kompost auf die Beetoberfläche, ohne diesen jedoch einzuarbeiten. Der Kompost erfüllt damit die Funktion einer Mulchschicht, er unterdrückt die Unkräuter, bietet Nährstoffe und verbessert die Wasserspeicherung. Zusätzlich kann direkt eingesät oder eingepflanzt werden. Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass zwar die Unkräuter unter der Kompostschicht unterdrückt werden, aber auf der Oberfläche neue Unkräuter keimen werden. Dies lässt sich eindämmen, indem vor der Aussaat z.B. ein sogenanntes „falsches Saatbett“ angelegt wird oder die Oberfläche abgeflämmt wird.

Intensivkultur statt Mulch

In der biointensiven Landwirtschaft versucht man, den Ertrag pro Beet zu maximieren. Beete haben in der Regel die Standardbreite von 75 cm. Darin stehen die Kulturen so dicht zusammen, dass sie gerade noch ausreichend Platz haben, um sich zu entwickeln, aber zwischen den Reihen so wenig Freiraum ist, dass das Blattwerk z.B. von Salat, roter Beete oder Möhren diesen komplett überdeckt. Ab einer gewissen Größe der Gemüsekulturen hält diese Schattierung den Unkrautdruck niedrig. Das ist auch nötig, da die Unkrautentfernung zwischen den engstehenden Pflanzen sich natürlich recht schwierig gestaltet. Das funktioniert allerdings nicht bei Kulturen, die viel Zeit brauchen, um sich zu entwickeln, da das Unkraut dann einfach schneller ist oder auch bei Pflanzen, die sehr viel Raum in Anspruch nehmen, wie Kürbis, Zucchini, Kohl und auch Tomaten. Daher kommt bei diesen Kulturen häufig Mulchfolie zum Einsatz.

Mulchen mit Vlies, Folien und Planen

Beete können auch abgedeckt werden mit Vlies aus Schafs- oder Baumwolle, Folien aus Plastik oder aus kompostierbarem Material und Gewebeplanen. Es gibt dafür verschiedene Einsatzmöglichkeiten:

Im Frühjahr können z.B. einzelne Beete mit Vlies oder ganze Parzellen mit großflächigen Siloplanen abgedeckt werden, um sogenannte „falsche Saatbette“ anzulegen. Zudem wird das Bodenleben durch Feuchtigkeit und Wärme aktiviert. Regenwürmer kommen an die Oberfläche, zersetzen organisches Material und zerkrümeln die Oberflächenstruktur der Beete. Aus dem gleichen Grund werden Beete auf diese Weise auch nach der Saison den Winter über abgedeckt. Wie bereits beschrieben, sollten Beete wie in der Natur üblich nie nackt sein, sondern auch im Winter mit einer natürlichen oder künstlichen Schutzschicht bedeckt werden.

Während der Saison erfüllen diese Materialien zusätzlich noch den Zweck der Unkrautunterdrückung, vor allem bei Gemüsekulturen, die einen großen Pflanzabstand haben und langsam wachsen. Hierfür werden die Beete z.B. mit Gewebeplane oder mit schwarzer Mulchfolie abgedeckt und Löcher hineingeschnitten, in welche dann Kohl-, Kürbis- oder Tomatenpflänzchen eingepflanzt werden. Die Pflanzen können sich dann in Ruhe entwickeln, ohne dass das Unkrautwachstum um sie herum eskaliert.

Mulchen im Winter

Wie schon oben beschrieben, sollten eure Beete auch im Winter abgedeckt sein. Der Boden wird es euch im Frühjahr durch eine feinkrümelige Oberfläche danken. Traditionell werden Beete in Hobbygärten heute immer noch im Herbst grob umgegraben. So sollen die Unkrautsamen erfrieren und die Erdschollen durch die sogenannte Frostgare feinkrümelig werden. Werden die Beete dann im Frühjahr glattgerecht, kommen jedoch neue Unkrautsamen an die Oberfläche und der Effekt der Frostgare ist nach den ersten Regengüssen des Frühjahrs schnell wieder dahin, wenn nicht ausreichend Humus eingearbeitet wird, der den Boden davor bewahrt zu verschlämmen und erneut zu verdichten.

Für die Winterabdeckung von großen Beetflächen oder ganzen Parzellen wird häufig Silofolie verwendet. Diese ist günstiger als Bändchengewebe, lässt aber kein Wasser durch. Der Boden sollte daher vor dem Auflegen gründlich gewässert sein. Natürlicher und ästhetischer ist die beetweise Abdeckung mit Bahnen aus Vlies. Dieses sollte sehr dick sein, dadurch eigenet sich herkömmliches Unkrautvlies weniger. Besser geeignet ist Teichvlies, dass in Grammaturen von 150 – 500g erhältlich ist.

Für die wichtigsten Materialien habe ich euch Adressen unter Bezugsquellen zusammengefasst.

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