Harten Lehmboden in Gemüsebeet verwandeln

Ich bin überzeugt davon, Gartenboden nicht umzugraben und immer möglichst wenig invasiv vorzugehen. Schließlich will ich guten Boden aufbauen und nicht das Bodenleben mit Pflug und Fräse zerstören.
Doch Ende September 2018 wollte ich eine neue Fläche von etwa 500 qm für das neue Jahr vorbereiten. Der Boden war seit vielen Jahren nicht genutzt worden und nach dem trockenen Sommer steinhart. Es war unmöglich einen Spaten in die Erde zu stechen, auch nicht mit vollem Körper(gewichts)einsatz.

Ich habe mich dazu entschlossen, einen Teil der Fläche als no-dig Beete anzulegen (hier mein Artikel dazu). Einen anderen Teil wollte ich einmalig tiefgründig zu lockern. Dafür plante ich die Fläche zu pflügen und die aufgeworfene Erde zu fräsen. Denn ich hatte die Sorge, kein Wurzelgemüse kultivieren zu können, wenn ich die ganze Fläche mit Pappe und Kompost nur abdecken würde. Kartoffeln würden sich vielleicht noch in der Fläche ausbreiten, aber für Möhren, Rettich usw. wollte ich doch gerne direkt tiefgründig gelockerte Beete haben. Also habe ich Familie und Freunde organisiert, die mit Maschinen anrückten:

Wie man auf dem Bild sehen kann, hat es der einscharige Pflug nicht geschafft, sich tief in die steinharte Erde einzugraben und die Schichten zu wenden. Später haben wir es mit einem größeren Traktor und einen dreischarigen Pflug probiert, mit gleichem Ergebnis. Doch kaum hatten wir die Fläche mehr schlecht als recht gepflügt, begann es zu regnen. Zum ersten Mal seit Monaten. Kurz darauf gab es die ersten leichten Nachtfröste und das hat die Erde soweit gelockert, dass es möglich war, weiterzuarbeiten.
Im zweiten Schritt fuhren wir mit der Fräse über den Acker, um die grob aufgeworfenen Erdschollen zu zerkrümeln und weiter zu lockern:

Den Boden füttern

Wie oben beschrieben, wollte ich diese Schritte nur einmal zu Beginn ausführen und dann Dauerbeete auf der Fläche anlegen, die von da an nicht mehr umgegraben, sondern nur noch mit der Grabgabel gelockert würden. Aber ich hatte auch in den vergangenen Gartenjahren eine wichtige Erfahrung gemacht: Wenn man lehmigen Boden nur umgräbt und lockert, selbst wenn er nach einigen Nachtfrösten richtig schön feinkrümelig ist, dann reichen ein paar starke Regengüsse im Frühjahr und alles ist wieder verschlämmt und verdichtet. Daher braucht so ein Boden Futter. Er braucht organisches Material und Nährstoffe, um Humus aufzubauen.

Ich habe dem Boden große Mengen an Hornmehl, Federmehl, Gesteinsmehl und Algenkalk zugeführt, um ihn zu nähren und den ph-Wert leicht anzuheben. Dann habe ich Hühnermist-Pellets eingestreut und auf 300 qm etwa 2000 Liter Rindenhumus oberflächlich eingearbeitet. Kompost hätte es auch getan, der war für mich zu der Zeit aber in größeren Mengen schlecht verfügbar. Rindenhumus ist übrigens nicht dasselbe wie Rindenmulch. Letzterer eigenet sich für Wegabdeckungen, da er dem Boden Stickstoff entzieht und dadurch weniger Unkräuter wachsen. Rindenhumus ist kompostierte Rinde. Damit konnte ich dem Boden organisches Material geben, dass ihn gegen das Verschlämmen schützt, sich gut auf die Wasserspeicherung auswirkt und die Bodenlebewesen ernährt.

Als letzten Schritt habe ich noch Winterroggen und Winterwicke als Gründüngung ausgesät. Die Gründüngung lockert den Boden zusätzlich und speichert Stickstoff aus der Luft im Boden.

Beetvorbereitung im Frühjahr

Da ich die Gründüngung erst im November ausgesät habe, war sie im Frühjahr noch sehr niedrig. Ich musste sie daher nicht abmähen. Trotzdem zeigte sich ein Nachteil der Gründüngung, wenn man plant, das Bodenleben so wenig wie möglich zu stören. Denn die Gründüngung muss in den Boden eingearbeitet werden. Es gibt zwar auch noch die Option, die Fläche z.B. mit einer schweren Silofolie für einige Wochen abzudecken und darauf zu hoffen, dass die Bodenlebewesen alles Grüne nach der Zeit verputzt haben. Aber da ich im zeitigen Frühjahr schon Möhren einsäen und Kartoffen pflanzen wollte, musste ich noch einmal fräsen. Allerdings mit einer kleinen Akkufräse, die nur die oberen 5 cm zerkrümelt. Das habe ich an einem sonnigen Tag erledigt, das Grün ist nach dem Fräsen vertrocknet.

Als letzten Schritt werde ich vor der Aussaat bzw. dem Bepflanzen eine Schicht reifen Kompost auf die Beete geben und nicht mehr einarbeiten, sondern z.B. die Möhren direkt hineinsäen.

Mein feiner Boden im Privatgarten

In meinem privaten Garten habe ich eine Parzelle mit 7 Beeten, die insgesamt etwa 50 qm hat. Dort war vor einigen Jahren noch sehr lehmiger Boden. Ich bin damit ähnlich verfahren. Natürlich hatte ich dort keinen Traktor, sondern habe mit dem Spaten umgegraben und mit der Hacke die Oberfläche zerkrümelt. Dort habe ich auch gelernt, dass das alleine nicht reicht, wenn der Boden nicht in kurzer Zeit wieder verdichten soll. Ich habe auf diesen Beeten zwei Jahre lang immer wieder Kompost zugegeben und darauf geachtet, dass die Beete nie nackt sind. Während der Saison habe ich zwischen den Gemüsekulturen gemulcht und nach der Ernte habe ich die Beete im Herbst mit Heu, Laub, Fallobst und anderem organischen Material abgedeckt, was im Herbst so anfällt. Dieses habe ich dann im Frühjahr abgerecht und hatte feinkrümeligen, hummosen Boden. Hier gehts zu meinem Artikel über das Mulchen.

Meine Beetparzelle im Privatgarten.

5 Kommentare

  1. Pingback: No dig: Gemüsebeet anlegen ohne umzugraben

  2. Hallo Linus!
    Deine Artikel sind super toll geschrieben! Ich bin bei meinen Permakultur-Recherchen auch auf Hühnermist als wichtige Düngebeigabe gestoßen. Da wir ja beide Hühner haben wäre es doch interessant diese Pellets selbst herzustellen. Bei der industriellen Herstellung wird der Mist eine längere Zeit fermentiert und anschließend getrocknet bevor er in Pellets gepresst wird. Letztes ist für uns ja gar nicht notwendig. Aber die Fermentation ist glaube ich sehr wichtig damit der Boden nicht überladen oder die Wurzeln oder Mikroorganismen verätzt werden. Hast du dazu vielleicht schon ein paar Ideen? Vielleicht kann man eine Art Silage oder so machen? Ich hab bislang leider keine weiteren Informationen finden können.
    Liebe Grüße,
    David

    • Hi David,
      Ich dachte, ich hätte dir auf deinen Beitrag geantwortet. Entweder habe ich mir das nur eingebildet und meine Antwort ist irgendwie verloren gegangen. Das Thema ist sehr interessant und ich habe mich in der Zwischenzeit etwas damit beschäftigt. Wir sollten uns bald mal darüber austauschen und vielleicht einen Artikel daraus machen!

  3. Hallo,

    ich habe ebenfalls ein 50qm großes Gemüsebeet, bei dem mir der schwere Lehmboden und der darin wuchernde Ackerschachtelham Probleme bereitet.
    Ich habe dort im Frühjahr zunächst Sand eingearbeitet, den Sommer über Lupinen und Senf als Gründdüngung ausgesät und das Ganze vorige Woche 2-Spaten-tief umgegraben und den Ackerschachtelhalm soweit möglich entfernt.
    Hast du eine Empfehlung für mich wie ich nun weiter vorgehen kann? Soll ich jetzt noch Mist oder Kompost einarbeiten bzw. oberflächig aufbringen? oder im Frühjahr mit der no-dig-Methode starten?

    • Hi Hanna,

      Da haben wir ja eine recht ähnliche Situation. Ich habe dazu in den letzten Jahren wirklich viele verschiedene Methoden probiert. Und mittlerweile würde ich überhaupt nicht mehr umgraben. Bezüglich des Lehmbodens hat mir das Umgraben nie viel gebracht, weil dann im Frühjahr durch den Regen wieder alles fest verschlämmt und verdichtet war. Auch die Beigabe von Sand hat mir nie groß geholfen, weil der auch sehr schnell wieder ausgeschwemmt ist.
      Was wirklich hilft, ist das Zufügen von organischem Material. Also z.B. von Gründüngung, wie du das schon gemacht hast. Die sollte dann natürlich nicht abgeräumt werden, sondern auf dem Beet verbleiben oder oberflächlich eingearbeitet werden. Mist würde ich nicht frisch verwenden, weil er zu scharf für den direkten Kontakt mit Gemüsepflanzen ist. Lieber erstmal ein Jahr kompostieren. Kompost könntest du gut oberflächlich aufbringen. Ich würde ihn auch nicht einarbeiten, so dient er als natürlich Mulchschicht für den Boden. Im Frühjahr würde ich dann den Boden nur mit einer Grabgabel lockern und belüften und dann höchstens die oberen Zentimeter zerkrümeln, um einsäen oder pflanzen zu können.

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