10m2 DIY Gewächshaus aus Kanthölzern

Ein Gewächshaus wünscht sich sicher jeder Hobbygärtner und Selbstversorger. Und auch für Erwerbsgärtner ist es interessant, z.B. für die Jungpflanzenanzucht im Frühjahr. Das Dilemma: Günstige Foliengewächshäuser, die man im Internet schon für unter 100 Euro bekommt, halten nur bis zum ersten Sturm. Die stabileren Bausätze mit Metallprofilen ab 300 Euro trotzen zwar Wind und Wetter, werden aber häufig mit billigen Doppelstegplatten geliefert, die mit etwas Pech schon nach 2 Jahren anfangen zu zerbröseln. Um am eigenen Gewächshaus etwas länger Freunde zu haben, muss man etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Oder das Gewächshaus einfach selbst bauen.

Mein Gewächshaus ist 10m2 groß und hat knapp 200 Euro gekostet. Mit Einrichtung und automatischem Fensteröffner liegen die Kosten bei etwa 250 Euro. Zugegeben, es ist eine sehr einfache Konstruktion, aber sie hält. Und sollte einmal etwas kaputt gehen, kann jedes Element einfach ausgetauscht werden.

Der mit dem schwarzen Daumen

Ich habe lange recherchiert und war schließlich zu dem Schluss gekommen, ein massives Gewächshaus aus starken Montagehölzern zu bauen. Bis ich auf Youtube dieses Video gesehen habe, von Haiko, „dem mit dem schwarzen Daumen“:

Haiko hat nicht nur ein wirklich gutes und nachvollziehbares Video zu seinem Gewächshausbau gedreht. Er hat zusätzlich ein PDF erstellt, mit Bauplänen und Materialliste. Ich kann die Anleitungen sehr empfehlen. Ich habe mein Gewächshaus danach gebaut, auch wenn ich ein paar Änderungen vorgenommen habe:

Tipps zum Bau und Änderungsvorschläge

Mir hat an der Konstruktion besonders die modulare Bauweise gefallen. Man kann alle Elemente in der Werkstatt, Scheune oder Garage einzeln vorbereiten und dann direkt am späteren Standort zusammensetzen. Das Gewächshaus besteht aus zwei Seitenteilen und den zwei Giebelseiten. Dazu kommen dann natürlich noch die Türen und die Dachstreben.

Mir war von Anfang an klar, dass mir die 5m2 aus Haikos Anleitung zu klein sind. Daher habe ich statt zwei Seitenteilen einfach vier produziert und kam so auf eine Länge von 4 Metern (x 2,60 Breite) und auf eine Grundfläche von 10m2.

Für die Stabilität habe ich mich gegen ein Fundament entschieden, sondern einfach 6 Bodenhülsen mit den dazu passenden 7x7cm Hölzern in die Erde gesetzt. In jede Ecke und in die Mitte der Seiten, dorthin, wo die Seitenteile zusammentreffen. An diesen Hölzern habe ich alles verschraubt. Und zwar so, dass das ganze Gewächshaus nicht auf dem Boden steht, sondern etwas darüber „schwebt“. Später habe ich die Folie dort eingegraben und dann Steine aufgeschüttet. Die untersten Hölzer haben dadurch keinen direkten Bodenkontakt und gammeln nicht so leicht. Durch die Befestigung an den 6 Pfosten ist das Haus sehr stabil. Trotzdem könne ich es durch das Lösen von ein paar Schrauben einfach wegtragen und versetzen, da es selbst keinen Kontakt zum Boden hat.

Auf den Giebelseiten habe ich die untere Latte übrigens verstärkt. Denn da wird man sicher immer mal wieder drauf treten. Und da sie nicht auf einem Steinfundament aufliegt, habe ich von außen und von innen jeweils noch eine Latte aufgedoppelt.

Auf den Fotos oben könnt ihr die Eckpfosten gut sehen. Als sehr hilfreich bei der Montage haben sich für mich solche einhändig zu bedienenden Klammern herausgestellt. Noch praktischer wäre allerdings ein zweiter Mensch, der mit anpackt 😉 Spätestens beim Befestigen der Folie solltet ihr zu zweit sein. Bei mir war es leider so, dass es plötzlich tagelang nur noch regnete und ich mich dann dazu entschied, die Folie vorzeitig aufzuziehen. Lieber hätte ich das Holz noch geölt und dann in Ruhe mit 2-3 Personen gearbeitet. Es hat zwar auch so geklappt, aber ich kann es nicht empfehlen.

Was den Tacker angeht: Gebt lieber ein paar Euro für einen Tacker aus, der ohne viel Krafteinsatz sauber zu bedienen ist. Vor allem braucht ihr ein Gerät, dass möglichst breite Tackernadeln verarbeiten kann, damit die Folie nicht so leicht ausreißt. Dazu noch ein wichtiger Tipp: Bei mir hat sich die Folie trotz breiten Tackernadeln an einigen Stellen wieder gelöst, weil der Wind in das Gewächshaus fährt und von innen kräftig drückt. Ich habe dann einfach an einigen Stellen von außen noch Lattenstücke zur Verstärkung angeschraubt, dann gab es keine Ausrisse mehr.

Auf einigen Bildern könnt ihr sehen, dass ich die der Sonne abgewandte Seite mit Holz verschalt habe. Ich dachte, dass das Haus dadurch stabiler würde und ich vielleicht an der Wand Werkzeuge aufhängen oder ein Regal anbringen könnte. Allerdings verziehen sich solche Bretter durch Feuchtigkeit und das dünne Kantholzgerüst des Gewächshauses konnte dem nicht viel entgegensetzen. Somit hat sich die gesamte Konstruktion ziemlich verzogen. An zwei Stellen sind Kanthölzer gerissen, die habe ich ausgetauscht. Ansonsten ist es zum Glück gut gegangen.

Die Inneneinrichtung

Wie ihr auf den Bildern ganz oben im Text sehen könnt, habe ich auf dem Boden zwei Bretter als Wegbegrenzung eingezogen und dazwischen mit Holzhäckseln aufgefüllt. Um eine zweite Ebene für Jungpflanzen zu erhalten, habe ich einfach günstige Holzböcke aus dem Baumarkt aufgestellt und jeweils zwei Kanthölzer darüber gelegt. Dann konnte ich darauf Multitopfplatten legen. Später als ich z.B. Tomaten gepflanzt habe, konnte ich die Böcke einfach wegräumen. In eine Ecke des Gewächshauses habe ich außerdem ein schlichtes Holzregal gestellt (12 € im Baumarkt). Das hat mir auch gute Dienste bei der Jungpflanzenaufzucht geleistet.

Trotz zwei geöffneten Türen, wird es in dem Gewächshaus schon im Frühjahr sehr schnell sehr warm. Ich habe daher noch ein Fenster eingesetzt, auch wieder aus Kanthölzern und Folie, und mit einem automatischem Öffner versehen. Das Teil ist von Einhell und hat unter 20 Euro gekostet. Es erfüllt seinen Job ausreichend: Wird es im Gewächshaus zu warm, öffnet sich das Fenster automatisch, weil sich das Gemisch im Kolben des Öffners ausdehnt.

Tipps zum Selbstbau

  • Wenn ihr die Stärke der Kanthölzer aus der Anleitung nicht bekommt, nehmt lieber etwas dickere als noch dünnere.
  • Achtet unbedingt darauf, dass ihr Kanthölzer ohne Astlöcher bekommt.
  • Im Video dreht Haiko die Schrauben direkt ein, ich würde empfehlen mit einem dünnen Bohrer vorzubohren, um Ausbrüche im Holz zu vermeiden.
  • Wenn möglich, nehmt euch die Zeit, das Holz vor dem Aufspannen der Folie zu ölen (z.B. mit Leinölfirniss).
  • Arbeitet beim Zusammenbau der Teile und dem Anbringen der Folie möglichst zu zweit.

Fazit

Haiko hat zwei dieser Gewächshäuser. Das älteste müsste jetzt schon zwei oder drei Jahre alt sein. Meins steht erst seit einem Jahr, steht aber auch gut da. Aktuell überlege ich, wie ich es für die Jungpflanzenanzucht Ende Winter/Anfang Frühjahr zusätzlich dämmen und evtl. nachts heizen kann. Wenn ihr Fragen habt, scheut euch nicht zu fragen. Und schaut unbedingt bei Haiko rein. Er zeigt seine Gewächshäuser in mehreren Videos im Praxistest.

Kategorie DIY

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